11.12.2011
Schretzmeiers Vorwort 01//2012
Liebes Publikum,
Neues Jahr, neues Glück. Wer glaubt, dass das Thema Stuttgart 21 vom Tisch sei, wird sich darauf einrichten müssen, dass es noch knüppeldick kommt. Da ist Anfang Januar der geplante Abriss des Bahnhof-Südflügels. Da sind die Baumfällarbeiten im Schlossgarten und die schon lange angekündigte Räumung der Zeltstadt im Park. Ende Januar, so ist zu befürchten, wird Stuttgart gespaltener sein, als je zuvor!
Verständlich, denn trotz Volksabstimmung vom 27.11.11, hat sich am Sachverhalt nichts verändert: Ein funktionierender Bahnhof, bewusst von der Deutschen Bahn heruntergewirtschaftet, aber immer noch leistungsstark, soll mit Hilfe vieler Milliarden Euro, unter die Erde verbannt werden. Und wenn das Geld nicht reicht, wird die Allgemeinheit zur Kasse gebeten. Außerdem, die Deutsche Bahn weigert sich nach wie vor Transparenz herzustellen, was die reale Bausumme betrifft.
Alles Faktoren, die nicht zur Befriedung beitragen, im Gegenteil. Immer wieder ertappt man sich bei den Gedanken, dass diese Vorgehensweise bewusst betrieben wird, damit die Freund/Feind-Atmosphäre erhalten bleibt, dass „günstige“ Voraussetzungen hergestellt sind, ordnungspolitisch handeln zu können oder weniger verschwurbelt ausgedrückt: um draufhauen zu können, braucht’s Unzufriedenheit, braucht’s das Klima von Täuschen und Tricksen. Ich fürchte, dass eine Fortsetzung des Themas unausweichlich ist.
Das Theaterhaus beginnt im Januar sein Programm mit „Lucky Seven“.Ein symbolischer Beginn, denn gerade unsere Tanzcompany genießt mehr und mehr Anerkennung in der internationalen Tanzszene. Read more…
11.09.2011
SCHRETZMEIERS VORWORT 10//2011
LIEBES PUBLIKUM
Das letzte Vierteljahr bricht an. Wir sind gut über den Sommer gekommen. Trotz Ferienzeit konnten wir im August bei allen 27 Programmpunkten eine Auslastung von 92% erzielen. Das Theaterhaus bleibt weiterhin attraktiv und freut sich über die Nominierung unserer Tanzproduktion POPPEA//POPPEA zum deutschen Theaterpreis FAUST in der Kategorie „Beste Choreographie“. Christian Spuck der dafür verantwortlich ist und das Theaterhaus Tanzensemble Gauthier Dance sind erwartungsfroh, was der 5. November, der Tag der Preisverleihung, bringen wird. Die Company und ihr Leiter Eric Gauthier erhielten darüber hinaus bei der Journalistenumfrage des Fachmagazins „Die Deutsche Bühne“ mehrere Nennungen als „herausragender Beitrag zur aktuellen Entwicklung des Tanzes“. Der Theaterkritiker Manfred Jahnke stellt fest: „Humor, choreographische Intelligenz und die Beherrschung des klassischen Tanzes sowie Modern Dance können zusammen gehen, das beweist Eric Gauthier in jeder seiner Choreographien“.
17.07.2011
SCHRETZMEIERS VORWORT 08/09//2011
LIEBES PUBLIKUM
Das Wort „Milliarde“ ist das „Zahlwort“ für die Zahl 1.000.000.000. Eine Milliarde ist gleich 1000 Millionen. Diese Tatsache sollte uns allen immer bewusst sein, wenn so locker und flockig über 4,5 Milliarden Euro im Zusammenhang mit Stuttgart 21 geredet bzw. geschrieben wird. Und wenn es schnell mal 1.000.000.000 mehr werden, dann sind wir bei 5.500.000.000 Euro. Und das ganze auf dem Rücken der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Das Wort „Milliarde“ ist seit der Bankenkrise 2008/2009 ein Inflationswort geworden, das uns in der Zwischenzeit im Radio stündlich um die Ohren schwirrt. Wir stumpfen ab, wir gewöhnen uns an diese ungeheuerlichen Zahlen. Ist aber kein Wunder, denn laut „Spiegel-Online“ musste allein die Landesbank Baden-Württemberg bis Dezember 2009 Forderungen kurzfristiger Geldgeber in Höhe von rund 100 Milliarden Euro refinanzieren – zum Vergleich: Bei der Hypo Real Estate sind es gerade mal 35 Milliarden Euro. Griechenland, Spanien, Portugal, Irland, Rettungspakete mit Hunderte von Milliarden sind unsere tägliche Zeitungslektüre. Was sind da 4,5 oder 5,5 oder 7,5 Milliarden für einen Bahnhof? Wir beginnen jede Form von Verhältnismäßigkeit zu verlieren! Die angesprochenen EU-Länder haben dies praktiziert, das Ergebnis wird uns allen noch viele Sorgen bereiten. Und in Deutschland scheint man auf dem Weg zu sein, diese Katastrophen zu importieren. Und im Kleinen (siehe Stuttgart 21), fängt es an.
Liebes Publikum, das Doppelprogramm August/September enthält viele goldene Momente, enthält viele wunderbare und vergnügliche Ereignisse.
13.06.2011
SCHRETZMEIERS VORWORT 07//2011
LIEBES PUBLIKUM
Am 5. Mai 2011 erschien in der Stuttgarter Zeitung eine unscheinbare Meldung von dpa: „Seit mehr als 5 Monaten ist Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke gesperrt – Ende nicht absehbar. Mehrfach musste die Bahn die angekündigte Wiedereröffnung der Müngstener Brücke im Bergischen Land verschieben. Der jüngste Grund ist besonders ungewöhnlich: Die Bahn hat vergessen, das Gewicht der Passagiere zu berechnen! Im Antrag an das Eisenbahnbundesamt wurde das Leergewicht eines Zuges zugrunde gelegt. Im November 2010 hatte die Bahn die Brücke gesperrt – wegen „Sanierungsarbeiten“. Wann wieder Personenzüge über die Brücke rollen dürfen, ist offen.“ Bei so einer Meldung kommt man ins Grübeln. Und die Bedenken hören nicht auf. Am 1.6.2011 erschien in der 23. Ausgabe der Zeitschrift STERN ein von Arno Luik geschriebener Artikel mit der Überschrift „Wir können alles – außer Bahnhof“.
10.04.2011
SCHRETZMEIERS VORWORT 05//2011
LIEBES PUBLIKUM,
Der Umgangston der Stuttgart 21-Befürworter wird wieder rauer. Die Drohgebärden nehmen zu. Grube – der Bahnchef – droht mit Milliardenbeträgen als Rückforderung, wenn die Milliardengrube nicht gebaut wird. Angst vor dem endgültigen K.O.? Wenn man der Zeitschrift „Stern“ glauben schenken will, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis das Stuttgart 21-Kartenhaus zusammenbricht. Die „bel-étage“ der SPD beharrt weiterhin auf die Verwirklichung von Stuttgart 21, auf die Unverhältnismäßigkeit von Geldvernichtung und das mit dem schlechtesten Wahlergebnis ihrer zweifellos verdienstvollen Geschichte. Bloß nicht nachgeben, egal was es kostet. Die Chance sich neu zu positionieren, schon vertan. Der Protest gegen das Projekt wird weitergehen und das ist richtig, denn auch nach der Wahl bleibt es wie davor, die Kosten werden viel höher sein, wie die jetzt schon unverantwortlichen 4,5 Milliarden. Jeder weiß es, ob Gegner, ob Befürworter. Weil es so ist, hilft nur eines: Weiterhin Widerstand leisten – friedlich, phantasievoll und mit dieser Beharrlichkeit, die Stuttgart in der Zwischenzeit weltweit zum Symbol von bürgerschaftlichem friedlichen Ungehorsam gemacht hat. Die Befürworter von K21, haben diese Stadt zu einer der auch international attraktivsten gemacht. Selbst die Gegner von K21 können sich in diesem neuen Glanz sonnen. Die Hauptstadt des kritischen Bewusstseins ist die erste Großstadt Europas mit einer grünen Mehrheit. Das ist ein Aspekt der K21-Bewegung. Wie sehen die nächsten aus? Auf jeden Fall, es bleibt spannend in dieser Stadt. Schön für sämtliche Stuttgarterinnen und Stuttgarter, denn Vitalität kann Kreativität erzeugen, eine Basis, die eine Stadt unverwechselbar macht. Da uns das Thema noch längere Zeit begleiten wird, noch einige Anmerkungen zum aktuellen Programm des Theaterhauses: Read more…
13.03.2011
SCHRETZMEIERS VORWORT 4//2011
LIEBES PUBLIKUM,
Würde man das ganze Geld, das in das Wahnsinnsprojekt S21 gebuddelt werden soll, der Förderung von erneuerbarer Energie – Sonne, Wind, Wasser – zugute kommen lassen und nicht, wie die Bundesregierung es getan hat, streichen, die Atomkraft wäre mittelfristig ersetzbar. Insofern gibt es eine direkte Linie zwischen dem Ereignis, das uns augenblicklich so schmerzhaft die Augen öffnet und dem Milliardengrab Stuttgart 21. Diese Zeilen werden am 13.3. geschrieben, die Nachrichten aus Japan geben scheibchenweise Einblick in die wahren Ereignisse und deren Auswirkungen. Sukzessive wird einem klar, was für Dimensionen dieses Erdbeben und die Folgen daraus, annehmen wird.Die Naturkatastrophe allein ist schon Apokalypse genug, jetzt noch die Gefahr eines Atomunfalls im Tschernobyl-Ausmaß.
13.12.2010
SCHRETZMEIERS VORWORT Jan//2011
LIEBES PUBLIKUM,
Neues Jahr, neues Glück, neue Erkenntnisse und neue politische Konstellationen? Wir wissen es nicht. Ein spannendes Jahr steht uns allemal bevor. Und ein ereignisreiches liegt hinter uns. Gekrönt von der Auszeichnung mit dem Deutschen Tanzpreis 2011 für Egon Madsen, unserem Company-Coach von Gauthier Dance und dem Deutschen Tanzpreis Kategorie „Zukunft“ für den Company-Leiter Eric Gauthier. Ein stolzes Ergebnis, eine Bestätigung für das choreographische Talent von Eric Gauthier und seiner mit viel Potenzial ausgestatteten Tanz-Company.
Diese Company weiterzuentwickeln ist nun unsere Aufgabe. Das wird nicht ohne die Hilfe der öffentlichen Hand möglich sein, da Weiterentwicklung immer auch mit Investition zu tun hat. Die Nachfrage nach dem Theaterhaus-Tanzensemble steigt. Die Anforderungen werden höher. Die Personaldecke ist gefährlich knapp, da die acht Tänzerinnen und Tänzer permanent gefordert sind. Ein Ausfall wegen Krankheit und schon sind keine Vorstellungen mehr möglich. Diese Tatsache darf nicht verdrängt werden. Das was das Theaterhaus finanzieren kann ist der momentane Stand. Alles was jetzt finanziell dazu kommen muss, ist nicht mehr aus dem Gesamtprogramm herauszupressen. Die nächsten Wochen werden zeigen ob Finanzhilfe realisierbar wird, denn ein Stillstand bei dieser so hoffnungsvollen Company wäre mit dem langsamen Ableben eines viel versprechenden Tanzprojektes gleichzusetzen. Schon einmal, es sind nun 15 Jahre her und Ismael Ivo war unser tänzerisches Aushängeschild, wurde ein hoffnungsvolles Theaterhaus-Tanzprojekt für und in Stuttgart von der Kulturpolitik falsch eingestuft. Wiederholt sich nun dieser Vorgang?
Zugegeben, damals hatten wir nicht mal Geld für die Basisfinanzierung einer Company, heute ist es anders, heute fehlt das nötige Kapital für eine unumgängliche Weiterentwicklung. Oder sollen wir vermuten, dass doch etwas dran ist an der Behauptung, das Theaterhaus ist zu widerständig, das Theaterhaus sollte sich gefälligst aus politischen Statements heraushalten. Dann darf ich an dieser Stelle auch nicht die Frage aufwerfen, warum Menschen wie der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, oder der Vorstandschef der BASF, und viele andere Unternehmer mehr, alles verantwortungsvolle intelligente, weitsichtige Entscheidungsträger der deutschen Wirtschaft, so kritiklos, so blauäugig dem Bahnprojekt Stuttgart 21 hinterherlaufen, das doch, spätestens seit dem Schlichtungsverfahren allen geläufig, ein schlampiges, ein ans dilettantische grenzendes Projekt ist. Diese Männer müssten doch die Ersten sein, die sich solchen handwerklich fehlerhaften Planungen entgegenstellen. Was geschieht mit Mitarbeitern in ihren Betrieben, die sich solche Schnitzer, wie die Deutsche Bahn es sich erlaubt, leisten? Da wäre doch Feuer unter dem Dach. Und bei Stuttgart 21? Sie vergessen da all ihre Prinzipien, ihren Qualitätsanspruch, ihren Wert auf kostenbewussten Umgang mit dem Geld. Wo ist der Aufschrei vom IHK-Ehrenpräsidenten Leibinger, der sich verbittet, für so ein miserabel kalkuliertes Projekt seinen Namen herzugeben? Das darf doch mal nachgefragt werden!
Zurück zum Programm und seinen wunderbaren Künstlerinnen und Künstlern. Nachdem traditionell am 1. Januar das Haus geschlossen bleibt, geht das Programm am 5.1. mit einem kabarettistischen Jahresrückblick ins neue Jahr. Florian Schroeder und Volkmar Staub schauen nochmals auf 2010. Am gleichen Tag beginnt die 2. Vorstellungsstaffel von „Out of the Box II“ mit den beiden Preisträgern des Deutschen Tanzpreises 2011. Ein Wiedersehen mit „Dirty Dishes“ rundet diesen Auftakt ins Jahr 2011 bestens ab.
Beachten Sie bitte den Sonntag 16.1.: Zwei Premieren sind an diesem Tag. Vormittags das Kinderstück „Lümmel“ mit dem wunderbaren Schauspieler Willi Schneck und am Abend stellt Christoph Sonntag sein neues Programm „AZNZ – Alte Zeiten Neue Zeiten“ vor. Wir sind gespannt auf diesen neuen Sonntag, der sinnigerweise am Sonntag Premiere hat. Und dann können Sie im Januar den vom Publikum und der Presse hochgelobten neuen Kästner-Abend mit Walter Sittler erleben.
Und jetzt schon vormerken bzw. Karten besorgen: Am 10.2. wird nochmals „Don Q.“ gezeigt, die Produktion, die von den beiden Tanzpreisgewinnern Egon Madsen und Eric Gauthier bestritten wird. Abschließend sei Ihnen noch die neue Schauspielproduktion „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ ans Herz gelegt. Die Reaktionen des Publikums und der Fachpresse jedenfalls sind so erfreulich, dass durchaus von einem gelungenen Auftakt gesprochen werden kann.
Und alles andere liegt, wie in den allermeisten Fällen, in Ihren Händen, liebes Publikum. Da vertrauen wir Ihnen voll und ganz.
In diesem Sinne herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier
14.11.2010
SCHRETZMEIERS VORWORT 12//2010
LIEBES PUBLIKUM,
Ein wahrhaftig ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Wer hätte anfangs des Jahres gedacht, dass Stuttgart elf Monate später zum Inbegriff von politischer Leidenschaft, Vitalität und kreativem Ungehorsam wird. Ganz Deutschland und Europa reibt sich die Augen. Was ist denn da plötzlich so anders, so lebendig: Die Bürgerbewegung gegen S21 und für eine verantwortungsvolle Zukunft ist der Grund. Keine Zeitung, kein TV-Sender der nicht darüber berichtet. Die lustvoll-mutigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bürgerbewegung K21 sind die besten Werbeträger dieser Stadt. Die Repräsentanten der Bewegung K21 beweisen bei den laufenden Schlichtungsgesprächen, dass die Kritik an S21 vielfältige Gründe hat, dass der Kopfbahnhof mindestens so leistungsfähig ist wie der im Keller.
Interessant auch folgender Vergleich: Die Fahrtzeit von Stuttgart nach Paris beträgt 4 Std. 24 Minuten. Von Stuttgart nach Straßburg sind es 158km, dafür braucht der Zug 2 Std. und 6 Minuten. Von Straßburg nach Paris sind es 487 km, drei mal soviel, dafür braucht der Zug lediglich 2 Std. 18 Minuten, gerade mal 12 Minuten länger. Die französische Bahn ist mehr als doppelt so schnell wie dir marode DB. Wie man sieht: Deutschland hat kein Bahnhofsproblem, sondern veraltete Gleise. Kein Wunder wenn die ICE-Räder dauernd kaputt gehen und das durchgeschüttelte Zugpersonal blaue Uniformen trägt, damit man die Hämatome nicht so deutlich sieht. Der Vergleich ist dem Artikel „Aus dem Stuttgarter Kessel dringt Lärm“, von Vincent Klink, erschienen Anfang November in der Stuttgarter Zeitung, entnommen.
Und wenn wir schon im Ländervergleich sind: Die TGV-Bahnstrecke Paris-Bordeaux (600 km, 3 Std. Fahrzeit) kostet 69 Euro. Vergleichbar die ICE-Strecke München-Hannover (600 km, 4,5 Std. Fahrzeit) Kostenpunkt 119 Euro! Das Thema wird uns nicht loslassen. Warten wir das Ende der Schlichtungsgespräche ab. Vermutlich werden die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 wieder zunehmen.
Liebes Publikum, noch befinden wir uns im Jubiläumsjahr des Theaterhauses. 25 Jahre Theaterhaus sind bis zum 28.3.2011 zu feiern. Im Programmheft März 2010 habe ich unseren Geburtstagswunsch wie folgt beschrieben: An die Adresse der politisch Verantwortlichen dieser Stadt. Im Vorwort Juni 2009 schrieb ich von der Unmöglichkeit, dass es bis heute gegenüber dem Hauptbahnhof den „Hindenburgbau“ gibt. Jener Paul von Hindenburg, der als Reichspräsident am 30.1.1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und später das „Ermächtigungsgesetz“ unterzeichnet hat, das die rechtliche Grundlage zur Errichtung der Nazi-Diktatur darstellte. Diese Symbolfigur der Demokratiefeinde hat keinen Platz in Stuttgart zu haben. Nun berichtet am 6.11.10 die Stuttgarter Zeitung, dass der Stuttgarter Gemeinderat und Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster nach der Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für Paul von Hindenburg, auch den Schriftzug am Gebäude Arnulf-Klett-Platz 1 – 3 entfernen ließ.
Unser Geburtstagswunsch ist in Erfüllung gegangen, dafür danken wir dem Stuttgarter Gemeinderat und dem Stuttgarter OB Dr. Wolfgang Schuster. Auch darauf kann Stuttgart nun stolz sein.
Das Dezember-Programm präsentiert wieder viele bemerkenswerte Ereignisse.
Am 1.12. die Premiere der neuen Schauspielproduktion des Theaterhauses „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“, eine komisch-böse-polemische Geschichte, nichts für schwache Nerven!
Am 3.12. eine weitere Premiere: Walter Sittler mit seinem neuen Kästner-Abend „Vom Kleinmaleins des Seins“.
Nicht vergessen, dass das Komiker-Urgestein Didi Hallervorden am 1.12. seine Scherze präsentiert.
Und am 22.12. das legendäre Golden Gate Quartet zu sehen und zu hören sein wird
Besonders willkommen sind uns die Delegierten des 1. Bundeskongresses der freien darstellenden Künstler, der vom 9. bis 12.12. im Theaterhaus stattfindet. Parallel dazu wird der jährliche Stuttgarter Theaterpreis zu sehen sein. Dieses Jahr ist die Sparte Tanz an der Reihe.
7 Produktionen bewerben sich um die Preise im Gesamtwert von 15000,- Euro.
Und zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass Martin Luding am 25.12. seine
600. (!!) Vorstellung als Caveman präsentieren wird. Eine Erfolgsgeschichte ohne Gleichen, geprägt von der großen Qualität des Darstellers Martin Luding. Er lebe hoch!
Das Theaterhaus wünscht Ihnen, liebes Publikum, alles, alles Gute und einen wunderbaren Übergang ins neue Jahr. Bleiben Sie uns gewogen.
Herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier
13.10.2010
Schretzmeiers Vorwort – November 2010
LIEBES PUBLIKUM,
Sie gehen einem nicht aus dem Sinn – die Bilder vom 30.9.2010, dem „blutigen Donnerstag“ im Stuttgarter Schlossgarten. Stellvertretend für alle Menschen die an diesem Donnerstag dabei waren und Widerstand geleistet haben, die verletzt wurden, die sich nicht entmutigen ließen, jung und alt nebeneinander, sich gegenseitig schützend und fassungslos über die unverhältnismäßige Aggression der Polizisten, möchte ich einen Artikel aus der „Tageszeitung (taz)“ vom 7.10. zitieren. Da war auszugsweise folgendes zu lesen: „Er ist der, der die tiefste Narbe im Stuttgarter Kampf um die Zukunft des Landes davongetragen hat: Das grauenerregende Bild von Dietrich Wagner ging durch alle Zeitungen, nachdem die Wasserwerfer der Polizei dem 66-jährigen Rentner am Donnerstag ein Auge ausgeschossen hatte. Am Mittwoch hatte Wagner bereits seine zweite Augenoperation – und eine weitere steht noch aus. Ob der Ingenieur im Ruhestand jemals wieder wird sehen können, das vermögen die Ärzte noch nicht zu sagen. „Sein allgemeiner Zustand ist stabil, doch seine Augen sind noch immer schwer verletzt“, sagte eine Sprecherin des Stuttgarter Katharinenhospitals am Mittwoch der taz. „Wie sich der Zustand des Patienten entwickelt, das müssen die nächsten Wochen zeigen.“ Es wird ein dramatisches Warten sein. Denn Dietrich Wagner droht an
einem Staat zu erblinden, der selbst die Augen vor der Realität verschlossen hat. Als die Polizei den Strahl auf sein Gesicht richtete, wollte er sich gerade schützend vor die zu seinen Füßen zusammengepferchten Schüler stellen. In einem Gedächtnisprotokoll schreibt er: „Ich erhob meine Arme und winkte mit beiden Armen dem Wasserwerferfahrer und den anderen Beamten zu, um sie zum Einhalten zu bewegen.“ Dann wurde er weggepustet, verlor sein Bewusstsein, vielleicht sein Augenlicht.“ In der Zwischenzeit wissen wir, dass Dietrich Wagner auf seine dritte OP wartet. Das eine Auge wird laut dem Chefarzt der Augenklinik des Katharinenhospitals seine Sehfähigkeit soweit verlieren, dass diese deutlich unter einer Lesefähigkeit liegt. Für das andere Auge sei die Prognose völlig offen. „Derartige durch Wasserwerfer verursachte Verletzungen sind mir in meiner ganzen Karriere nicht unter gekommen“, so die Aussage des Chefarztes. Im Angesicht solcher Ereignisse, solcher Schicksale, ist die bisherige Verhaltensweise der politisch Verantwortlichen überhaupt nicht zu begreifen. Keine explizite Entschuldigung, nur allgemeines Bedauern ist die Reaktion dieser Herren. Auch daran sollten wir am 27. März 2010 denken.
Der Fotograf und Musiker Zam Helga war an diesem Donnerstag unter den Demonstranten. Seine Kamera war dabei. Am 3.10. hat er uns ein e-mail geschickt in dem er über die Ungleichheit der Macht schreibt, über das anfühlen des Moments der sekundenschnell eine brutale, nicht mehr zu verändernde Atmosphäre herstellt. Sein mail endet mit den Zeilen „Ich würde mir ja mal wünschen, dass da ein paar ihre Uniformen ausziehen und sagen, ich lasse mich so nicht instrumentalisieren. Aber Joni Mitchell (die amerikanische Songwriter-Legende) hat ja auch schon von Bombern gesungen, die sich in Schmetterlinge verwandeln… Träumer halt…“
Zam Helgas Fotos werden ab dem 12.12.2010 im Theaterhaus zu sehen sein. Doch vorher wird der November eine Fülle von interessanten, recht unterschiedlichen Vorstellungen bieten. An erster Stelle stehen die beiden
Premieren am 20. und 24.11. Am 20.11. wird die Choreographin und Regisseurin Nina Kurzeja Dea Lohers Stück „Tätowierung“ mit Tanz und Musik von einer Beziehung erzählen, die im Gegengewicht zu dem tabuisierten Thema Missbrauch stehen wird. Der Cellist und Komponist Scott Roller wird zwischen improvisierten Klängen, klassischen und zeitgenössischen Musikstilen der Tänzerin Kira Senkpiel Impulse für die jeweiligen Szenen geben. Musik für den Tanz – die Bewegung für den Klang. Die eigentlichen Dialoge des Stückes werden wie Zeugenaussagen per Ton eingespielt. Ein inhaltlich, wie formal sehr ambitioniertes künstlerisches Unternehmen, dem ihre Aufmerksamkeit gehören sollte. Am 24.11. wird eine der wenigen interessanten weiblichen Comedy-Darstellerinnen die wir in Deutschland haben, die Ex-Stuttgarterin Patrizia Moresco, ihr neues Programm präsentieren. 5 Vorstellungen haben Sie, liebes Publikum, die Gelegenheit dieses komödiantische Talent zu erleben.
Und wenn Sie wieder mal Flamenco-Tanzkunst in bester Qualität erleben wollen, vom 16. – 18.11. gibt es ein Wiedersehen mit dem Flamenco-Tanzensemble „Flamencos en Route“, die im April diesen Jahres von der Stuttgarter Presse und dem damaligen Publikum einhellige Begeisterung erfuhren. Ein künstlerischer Genuss, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten! Und der Dezember beginnt mit der Premiere einer neuen Produktion unseres Schauspielensembles. Also wieder mal tausend gute Gründe ins Theaterhaus zu gehen.
Wir freuen uns auf Sie. Im Namen der Theaterhaus-Belegschaft,
Ihr Werner Schretzmeier
20.09.2010
Schretzmeiers Vorwort Oktober 2010
LIEBES PUBLIKUM,
Sie kennen sicherlich die Situation wie es ist, unterschiedliche Ereignisse unter einen Hut bringen zu wollen. Da tobt einerseits die Ausein- andersetzung um Stuttgart 21, ein Thema von grundsätzlicher Bedeutung um die Frage, wie weit muss die Bürgerschaft politisch-parlamentarische Beschlüsse hinnehmen, bzw. wie weit müssen die von der Bürgerschaft gewählten politischen Vertreter ihre Wähler zu Rate ziehen. Andernseits sollen aber die ureigenen Interessen, in diesem Fall die umfangreichen Programmangebote des Hauses für den Monat Oktober, nicht zu kurz kommen. Knifflige Angelegenheit, zumal auch Sie, liebes Publikum, ganz sicher zum Thema Stuttgart 21 keine einheitliche Meinung haben.
Zum Thema Programmangebot dürfte die Lage ähnlich sein, deshalb versuchen wir Monat für Monat vielfältig, unterschiedlichst an Sie heranzutreten, immer in der Hoffnung, dass für jede und jeden genügend akzeptable Angebote darunter sind. Im Oktober können Sie unter sage und schreibe 106(!) Vorstellungen bzw. Veranstaltungen aussuchen. Eine nicht alltägliche Fülle, die nur deshalb Zustande kommt, weil wir voller Vertrauen sind – Ihnen gegenüber. Read more…












