10.04.2011

SCHRETZMEIERS VORWORT 05//2011

LIEBES PUBLIKUM,

Der Umgangston der Stuttgart 21-Befürworter wird wieder rauer. Die Drohgebärden nehmen zu. Grube – der Bahnchef – droht mit Milliardenbeträgen als Rückforderung, wenn die Milliardengrube nicht gebaut wird. Angst vor dem endgültigen K.O.? Wenn man der Zeitschrift „Stern“ glauben schenken will, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis das Stuttgart 21-Kartenhaus zusammenbricht. Die „bel-étage“ der SPD beharrt weiterhin auf die Verwirklichung von Stuttgart 21, auf die Unverhältnismäßigkeit von Geldvernichtung und das mit dem schlechtesten Wahlergebnis ihrer zweifellos verdienstvollen Geschichte. Bloß nicht nachgeben, egal was es kostet. Die Chance sich neu zu positionieren, schon vertan. Der Protest gegen das Projekt wird weitergehen und das ist richtig, denn auch nach der Wahl bleibt es wie davor, die Kosten werden viel höher sein, wie die jetzt schon unverantwortlichen 4,5 Milliarden. Jeder weiß es, ob Gegner, ob Befürworter. Weil es so ist, hilft nur eines: Weiterhin Widerstand leisten – friedlich, phantasievoll und mit dieser Beharrlichkeit, die Stuttgart in der Zwischenzeit weltweit zum Symbol von bürgerschaftlichem friedlichen Ungehorsam gemacht hat. Die Befürworter von K21, haben diese Stadt zu einer der auch international attraktivsten gemacht. Selbst die Gegner von K21 können sich in diesem neuen Glanz sonnen. Die Hauptstadt des kritischen Bewusstseins ist die erste Großstadt Europas mit einer grünen Mehrheit. Das ist ein Aspekt der K21-Bewegung. Wie sehen die nächsten aus? Auf jeden Fall, es bleibt spannend in dieser Stadt. Schön für sämtliche Stuttgarterinnen und Stuttgarter, denn Vitalität kann Kreativität erzeugen, eine Basis, die eine Stadt unverwechselbar macht. Da uns das Thema noch längere Zeit begleiten wird, noch einige Anmerkungen zum aktuellen Programm des Theaterhauses: Read more…

13.03.2011

SCHRETZMEIERS VORWORT 4//2011

LIEBES PUBLIKUM,

Würde man das ganze Geld, das in das Wahnsinnsprojekt S21 gebuddelt werden soll, der Förderung von erneuerbarer Energie – Sonne, Wind, Wasser – zugute kommen lassen und nicht, wie die Bundesregierung es getan hat, streichen, die Atomkraft wäre mittelfristig ersetzbar. Insofern gibt es eine direkte Linie zwischen dem Ereignis, das uns augenblicklich so schmerzhaft die Augen öffnet und dem Milliardengrab Stuttgart 21. Diese Zeilen werden am 13.3. geschrieben, die Nachrichten aus Japan geben scheibchenweise Einblick in die wahren Ereignisse und deren Auswirkungen. Sukzessive wird einem klar, was für Dimensionen dieses Erdbeben und die Folgen daraus, annehmen wird.Die Naturkatastrophe allein ist schon Apokalypse genug, jetzt noch die Gefahr eines Atomunfalls im Tschernobyl-Ausmaß.

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16.01.2011

SCHRETZMEIERS VORWORT//Feb 2011

LIEBES PUBLIKUM,

Und schon ist der erste Monat des neuen Jahrzehnts vorbei. Schwuppdiwupp! Trotzdem – noch einen Blick zurück: Das Jahr 2010 brachte tatsächlich einen neuen Besucherrekord in der 25-jährigen Geschichte des Theaterhauses!! Es wurden 310.000!! Wir freuen uns. Wir bedanken uns bei Ihnen, liebes Publikum.

Wir haben also gemeinsam dem Fußballboom die Stirn gezeigt, wir haben die nicht wenigen e-mails und Briefe, die sich böse über das Dagegen-Engagement einiger verantwortlichen Personen des Hauses in Sachen Stuttgart 21 geäußert haben („…wir sind nicht länger bereit, den linken, unsachlichen Kampf des Theaterhauses gegen Stuttgart 21 zu unterstützen und werden deshalb keine Veranstaltungen mehr besuchen…“), auch ausgleichen können. Wir wissen, dass nicht nur innerhalb unserer Belegschaft einige wenige für Stuttgart 21 sind, auch unser Publikum besteht aus den drei Meinungen in dieser Frage: Dagegen, dafür, ist mir wurscht! Niemand wird im Haus agitiert, jeder soll sich seine Meinung selbst bilden, keiner ist ausgeschlossen, jeder und jede ist willkommen!!

Aber zurück zum Programm: Der Monat beginnt mit drei Poppea//Poppea-Vorstellungen unseres Tanzensembles. Sie sollten sich einen Besuch nicht entgehen lassen, zumal Poppea//Poppea erst wieder später im Jahr auf dem Spielplan ist. Und eine Woche später gibt es die Möglichkeit die beiden Tanzpreisträger Egon Madsen und Eric Gauthier in ihrer außergewöhnlichen und überall mit viel Beifall aufgenommenen Produktion Don Q. zu sehen. Der 10.2. ist ausverkauft, für die Zusatzveranstaltung am 11.2. sind noch Karten zu haben. Sie sollten nicht zu lange warten.

Die Produktion Männerabend mit den beiden Erzkomödianten Martin Luding und Roland Baisch wird zum 5-jährigen Jubiläum für einen Tag  in die Halle T4 zurückkehren, dort wo der Erfolgsweg dieses Stückes begonnen hat. Am 6.2.2006 war Premiere, am 6.2.2011 wird das Jubiläum gefeiert und die 181. Vorstellung stattfinden. Für dieses Ereignis heißt es ganz, ganz schnell Karten besorgen, da in Halle T4 gerade mal 115 Plätze sind. Aber sollte es für diesen Tag nicht reichen, am 26.2. ist der Männerabend wieder in der Halle T2 zu sehen.

Im Februar, wie jedes Jahr, das hochkarätige Musikfestival ECLAT von unserem Mitbewohner Musik der Jahrhunderte. Neue Musik, ein wunderbarer Kontrapunkt zu unserem Programmangebot. Für Sie, liebes Publikum, endlich die Gelegenheit sich dieser hochinteressanten Kunstsparte anzunehmen.

Sollten Sie bis jetzt keine Zeit für unseren Produktionspartner Familie Flöz gehabt haben, am 18. + 19.2. gibt es drei Vorstellungen von Infinitá (mehr auf S. 21). Ich verspreche es Ihnen, Sie werden anschließend alle Stücke der Familie Flöz sehen wollen. Und das können Sie im Theaterhaus erleben.

Die neueste Schauspielproduktion des Hauses Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner wird Ende Februar wieder im Angebot sein (siehe S. 9). Es macht beiden Seiten große Freude, dem Schauspielensemble und dem Publikum. Also, come on and see! Tausend Dank. Und im Dezember 2010, da startete Benefiz, kam bereits die schöne Spendensumme von 2400,- Euro zusammen, die in der Zwischenzeit auf dem Weg nach Guinea-Bissau ist. Wir halten Sie über diese Aktion auf dem Laufenden. Jeden Monat an dieser Stelle.

Abschließend noch einen Gedanken zur immer aktuellen Diskussion um die Finanzierung von Kunst und Kultur: Einerseits ist es erfreulich, dass die Politik der Stadt und des Landes 100 Millionen Euro in das Stuttgarter Staatstheater investiert. Andererseits ist es komplett unverständlich dass im Angesicht einer solch horrenden Summe, noch keine Initiative aus der Kulturpolitik ergriffen wurde, die 2009 vollzogene Finanzkürzung bei zahlreichen Kultureinrichtungen, ein Betrag von knapp 4 Millionen Euro, wieder rückgängig zu machen, den arg gebeutelten Kulturschaffenden wieder ihre frühere Situation zurück zu geben, die, wenn man es genau betrachtet, schon vor der Kürzung nicht rosig war und nach der Kürzung teilweise katastrophal wurde. 4 Millionen sind 4% der Summe fürs Staatstheater. Auch hier sollte die Verhältnismäßigkeit im Zentrum politischen Handelns stehen! Ich bitte um die Einsicht der kulturpolitisch Verantwortlichen. Selbst wenn dieses vollzogen würde bleibt der Abstand zwischen dem Staatstheater und dem Rest der Stuttgarter Kulturwelt fein säuberlich gewahrt. Also keine Angst, das Oben bleibt, das Unten bleibt. Sind deshalb so viele von Unten für die Parole „Oben bleiben“ ?? Möglich, möglich. Wobei wir wieder beim Thema Nr.1 wären. Das muß aber für heute genügen.

Bleiben Sie uns gewogen

Herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier

13.12.2010

SCHRETZMEIERS VORWORT Jan//2011

LIEBES PUBLIKUM,

Neues Jahr, neues Glück, neue Erkenntnisse und neue politische Konstellationen? Wir wissen es nicht. Ein spannendes Jahr steht uns allemal bevor. Und ein ereignisreiches liegt hinter uns. Gekrönt von der Auszeichnung mit dem Deutschen Tanzpreis 2011 für Egon Madsen, unserem Company-Coach von Gauthier Dance und dem Deutschen Tanzpreis Kategorie „Zukunft“ für den Company-Leiter Eric Gauthier. Ein stolzes Ergebnis, eine Bestätigung für das choreographische Talent von Eric Gauthier und seiner mit viel Potenzial ausgestatteten Tanz-Company.

Diese Company weiterzuentwickeln ist nun unsere Aufgabe. Das wird nicht ohne die Hilfe der öffentlichen Hand möglich sein, da Weiterentwicklung immer auch mit Investition zu tun hat. Die Nachfrage nach dem Theaterhaus-Tanzensemble steigt. Die Anforderungen werden höher. Die Personaldecke ist gefährlich knapp, da die acht Tänzerinnen und Tänzer permanent gefordert sind. Ein Ausfall wegen Krankheit und schon sind keine Vorstellungen mehr möglich. Diese Tatsache darf nicht verdrängt werden. Das was das Theaterhaus finanzieren kann ist der momentane Stand. Alles was jetzt finanziell dazu kommen muss, ist nicht mehr aus dem Gesamtprogramm herauszupressen. Die nächsten Wochen werden zeigen ob Finanzhilfe realisierbar wird, denn ein Stillstand bei dieser so hoffnungsvollen Company wäre mit dem langsamen Ableben eines viel versprechenden Tanzprojektes gleichzusetzen. Schon einmal, es sind nun 15 Jahre her und Ismael Ivo war unser tänzerisches Aushängeschild, wurde ein hoffnungsvolles Theaterhaus-Tanzprojekt für und in Stuttgart von der Kulturpolitik falsch eingestuft. Wiederholt sich nun dieser Vorgang?

Zugegeben, damals hatten wir nicht mal Geld für die Basisfinanzierung einer Company, heute ist es anders, heute fehlt das nötige Kapital für eine unumgängliche Weiterentwicklung. Oder sollen wir vermuten, dass doch etwas dran ist an der Behauptung, das Theaterhaus ist zu widerständig, das Theaterhaus sollte sich gefälligst aus politischen Statements heraushalten. Dann darf ich an dieser Stelle auch nicht die Frage aufwerfen, warum Menschen wie der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, oder der Vorstandschef der BASF, und viele andere Unternehmer mehr, alles verantwortungsvolle intelligente, weitsichtige Entscheidungsträger der deutschen Wirtschaft, so kritiklos, so blauäugig dem Bahnprojekt Stuttgart 21 hinterherlaufen, das doch, spätestens seit dem Schlichtungsverfahren allen geläufig, ein schlampiges, ein ans dilettantische grenzendes Projekt ist. Diese Männer müssten doch die Ersten sein, die sich solchen handwerklich fehlerhaften Planungen entgegenstellen. Was geschieht mit Mitarbeitern in ihren Betrieben, die sich solche Schnitzer, wie die Deutsche Bahn es sich erlaubt, leisten? Da wäre doch Feuer unter dem Dach. Und bei Stuttgart 21? Sie vergessen da all ihre Prinzipien, ihren Qualitätsanspruch, ihren Wert auf kostenbewussten Umgang mit dem Geld. Wo ist der Aufschrei vom IHK-Ehrenpräsidenten Leibinger, der sich verbittet, für so ein miserabel kalkuliertes Projekt seinen Namen herzugeben? Das darf doch mal nachgefragt werden!

Zurück zum Programm und seinen wunderbaren Künstlerinnen und Künstlern. Nachdem traditionell am 1. Januar das Haus geschlossen bleibt, geht das Programm am 5.1. mit einem kabarettistischen Jahresrückblick ins neue Jahr. Florian Schroeder und Volkmar Staub schauen nochmals auf 2010. Am gleichen Tag beginnt die 2. Vorstellungsstaffel von „Out of the Box II“ mit den beiden Preisträgern des Deutschen Tanzpreises 2011. Ein Wiedersehen mit „Dirty Dishes“ rundet diesen Auftakt ins Jahr 2011 bestens ab.

Beachten Sie bitte den Sonntag 16.1.: Zwei Premieren sind an diesem Tag. Vormittags das Kinderstück „Lümmel“ mit dem wunderbaren Schauspieler Willi Schneck und am Abend stellt Christoph Sonntag sein neues Programm „AZNZ – Alte Zeiten Neue Zeiten“ vor. Wir sind gespannt auf diesen neuen Sonntag, der sinnigerweise am Sonntag Premiere hat. Und dann können Sie im Januar den vom Publikum und der Presse hochgelobten neuen Kästner-Abend mit Walter Sittler erleben.

Und jetzt schon vormerken bzw. Karten besorgen: Am 10.2. wird nochmals „Don Q.“ gezeigt, die Produktion, die von den beiden Tanzpreisgewinnern Egon Madsen und Eric Gauthier bestritten wird. Abschließend sei Ihnen noch die neue Schauspielproduktion „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ ans Herz gelegt. Die Reaktionen des Publikums und der Fachpresse jedenfalls sind so erfreulich, dass durchaus von einem gelungenen Auftakt gesprochen werden kann.

Und alles andere liegt, wie in den allermeisten Fällen, in Ihren Händen, liebes Publikum. Da vertrauen wir Ihnen voll und ganz.


In diesem Sinne herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier

14.11.2010

SCHRETZMEIERS VORWORT 12//2010

LIEBES PUBLIKUM,

Ein wahrhaftig ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Wer hätte anfangs des Jahres gedacht, dass Stuttgart elf Monate später zum Inbegriff von politischer Leidenschaft, Vitalität und kreativem Ungehorsam wird. Ganz Deutschland und Europa reibt sich die Augen. Was ist denn da plötzlich so anders, so lebendig: Die Bürgerbewegung gegen S21 und für eine verantwortungsvolle Zukunft ist der Grund. Keine Zeitung, kein TV-Sender der nicht darüber berichtet. Die lustvoll-mutigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bürgerbewegung K21 sind die besten Werbeträger dieser Stadt. Die Repräsentanten der Bewegung K21 beweisen bei den laufenden Schlichtungsgesprächen, dass die Kritik an S21 vielfältige Gründe hat, dass der Kopfbahnhof mindestens so leistungsfähig ist wie der im Keller.

Interessant auch folgender Vergleich: Die Fahrtzeit von Stuttgart nach Paris beträgt 4 Std. 24 Minuten. Von Stuttgart nach Straßburg sind es 158km, dafür braucht der Zug 2 Std. und 6 Minuten. Von Straßburg nach Paris sind es 487 km, drei mal soviel, dafür braucht der Zug lediglich 2 Std. 18 Minuten, gerade mal 12 Minuten länger. Die französische Bahn ist mehr als doppelt so schnell wie dir marode DB. Wie man sieht: Deutschland hat kein Bahnhofsproblem, sondern veraltete Gleise. Kein Wunder wenn die ICE-Räder dauernd kaputt gehen und das durchgeschüttelte Zugpersonal blaue Uniformen trägt, damit man die Hämatome nicht so deutlich sieht. Der Vergleich ist dem Artikel „Aus dem Stuttgarter Kessel dringt Lärm“, von Vincent Klink, erschienen Anfang November in der Stuttgarter Zeitung, entnommen.

Und wenn wir schon im Ländervergleich sind: Die TGV-Bahnstrecke Paris-Bordeaux (600 km, 3 Std. Fahrzeit) kostet 69 Euro. Vergleichbar die ICE-Strecke München-Hannover (600 km, 4,5 Std. Fahrzeit) Kostenpunkt 119 Euro! Das Thema wird uns nicht loslassen. Warten wir das Ende der Schlichtungsgespräche ab. Vermutlich werden die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 wieder zunehmen.

Liebes Publikum, noch befinden wir uns im Jubiläumsjahr des Theaterhauses. 25 Jahre Theaterhaus sind bis zum 28.3.2011 zu feiern. Im Programmheft März 2010 habe ich unseren Geburtstagswunsch wie folgt beschrieben: An die Adresse der politisch Verantwortlichen dieser Stadt. Im Vorwort Juni 2009 schrieb ich von der Unmöglichkeit, dass es bis heute gegenüber dem Hauptbahnhof den „Hindenburgbau“ gibt. Jener Paul von Hindenburg, der als Reichspräsident am 30.1.1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und später das „Ermächtigungsgesetz“ unterzeichnet hat, das die rechtliche Grundlage zur Errichtung der Nazi-Diktatur darstellte. Diese Symbolfigur der Demokratiefeinde hat keinen Platz in Stuttgart zu haben. Nun berichtet am 6.11.10 die Stuttgarter Zeitung, dass der Stuttgarter Gemeinderat und Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster nach der Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für Paul von Hindenburg, auch den Schriftzug am Gebäude Arnulf-Klett-Platz 1 – 3 entfernen ließ.

Unser Geburtstagswunsch ist in Erfüllung gegangen, dafür danken wir dem Stuttgarter Gemeinderat und dem Stuttgarter OB Dr. Wolfgang Schuster. Auch darauf kann Stuttgart nun stolz sein.


Das Dezember-Programm präsentiert wieder viele bemerkenswerte Ereignisse.

Am 1.12. die Premiere der neuen Schauspielproduktion des Theaterhauses Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner, eine komisch-böse-polemische Geschichte, nichts für schwache Nerven!

Am 3.12.  eine weitere Premiere: Walter Sittler mit seinem neuen Kästner-Abend „Vom Kleinmaleins des Seins“.

Nicht vergessen, dass das Komiker-Urgestein Didi Hallervorden am 1.12. seine Scherze präsentiert.

Und am 22.12. das legendäre Golden Gate Quartet zu sehen und zu hören sein wird

Besonders willkommen sind uns die Delegierten des 1. Bundeskongresses der freien darstellenden Künstler, der vom 9. bis 12.12. im Theaterhaus stattfindet.  Parallel dazu wird der jährliche Stuttgarter Theaterpreis zu sehen sein. Dieses Jahr ist die Sparte Tanz an der Reihe.

7 Produktionen bewerben sich um die Preise im Gesamtwert von 15000,- Euro.

Und zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass Martin Luding am 25.12. seine

600. (!!) Vorstellung als Caveman präsentieren wird. Eine Erfolgsgeschichte ohne Gleichen, geprägt von der großen Qualität des Darstellers Martin Luding. Er lebe hoch!

Das Theaterhaus wünscht Ihnen, liebes Publikum, alles, alles Gute und einen wunderbaren Übergang ins neue Jahr. Bleiben Sie uns gewogen.

Herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier

13.10.2010

Schretzmeiers Vorwort – November 2010

LIEBES PUBLIKUM,
Sie gehen einem nicht aus dem Sinn – die Bilder vom 30.9.2010, dem „blutigen Donnerstag“ im Stuttgarter Schlossgarten. Stellvertretend für alle Menschen die an diesem Donnerstag dabei waren und Widerstand geleistet haben, die verletzt wurden, die sich nicht entmutigen ließen, jung und alt nebeneinander, sich gegenseitig schützend und fassungslos über die unverhältnismäßige Aggression der Polizisten, möchte ich einen Artikel aus der „Tageszeitung (taz)“ vom 7.10. zitieren. Da war auszugsweise folgendes zu lesen: „Er ist der, der die tiefste Narbe im Stuttgarter Kampf um die Zukunft des Landes davongetragen hat: Das grauenerregende Bild von Dietrich Wagner ging durch alle Zeitungen, nachdem die Wasserwerfer der Polizei dem 66-jährigen Rentner am Donnerstag ein Auge ausgeschossen hatte. Am Mittwoch hatte Wagner bereits seine zweite Augenoperation – und eine weitere steht noch aus. Ob der Ingenieur im Ruhestand jemals wieder wird sehen können, das vermögen die Ärzte noch nicht zu sagen. „Sein allgemeiner Zustand ist stabil, doch seine Augen sind noch immer schwer verletzt“, sagte eine Sprecherin des Stuttgarter Katharinenhospitals am Mittwoch der taz. „Wie sich der Zustand des Patienten entwickelt, das müssen die nächsten Wochen zeigen.“ Es wird ein dramatisches Warten sein. Denn Dietrich Wagner droht an
einem Staat zu erblinden, der selbst die Augen vor der Realität verschlossen hat. Als die Polizei den Strahl auf sein Gesicht richtete, wollte er sich gerade schützend vor die zu seinen Füßen zusammengepferchten Schüler stellen. In einem Gedächtnisprotokoll schreibt er: „Ich erhob meine Arme und winkte mit beiden Armen dem Wasserwerferfahrer und den anderen Beamten zu, um sie zum Einhalten zu bewegen.“ Dann wurde er weggepustet, verlor sein Bewusstsein, vielleicht sein Augenlicht.“ In der Zwischenzeit wissen wir, dass Dietrich Wagner auf seine dritte OP wartet. Das eine Auge wird laut dem Chefarzt der Augenklinik des Katharinenhospitals seine Sehfähigkeit soweit verlieren, dass diese deutlich unter einer Lesefähigkeit liegt. Für das andere Auge sei die Prognose völlig offen. „Derartige durch Wasserwerfer verursachte Verletzungen sind mir in meiner ganzen Karriere nicht unter gekommen“, so die Aussage des Chefarztes. Im Angesicht solcher Ereignisse, solcher Schicksale, ist die bisherige Verhaltensweise der politisch Verantwortlichen überhaupt nicht zu begreifen. Keine explizite Entschuldigung, nur allgemeines Bedauern ist die Reaktion dieser Herren. Auch daran sollten wir am 27. März 2010 denken.
Der Fotograf und Musiker Zam Helga war an diesem Donnerstag unter den Demonstranten. Seine Kamera war dabei. Am 3.10. hat er uns ein e-mail geschickt in dem er über die Ungleichheit der Macht schreibt, über das anfühlen des Moments der sekundenschnell eine brutale, nicht mehr zu verändernde Atmosphäre herstellt. Sein mail endet mit den Zeilen „Ich würde mir ja mal wünschen, dass da ein paar ihre Uniformen ausziehen und sagen, ich lasse mich so nicht instrumentalisieren. Aber Joni Mitchell (die amerikanische Songwriter-Legende) hat ja auch schon von Bombern gesungen, die sich in Schmetterlinge verwandeln… Träumer halt…“
Zam Helgas Fotos werden ab dem 12.12.2010 im Theaterhaus zu sehen sein. Doch vorher wird der November eine Fülle von interessanten, recht unterschiedlichen Vorstellungen bieten. An erster Stelle stehen die beiden
Premieren am 20. und 24.11. Am 20.11. wird die Choreographin und Regisseurin Nina Kurzeja Dea Lohers Stück „Tätowierung“ mit Tanz und Musik von einer Beziehung erzählen, die im Gegengewicht zu dem tabuisierten Thema Missbrauch stehen wird. Der Cellist und Komponist Scott Roller wird zwischen improvisierten Klängen, klassischen und zeitgenössischen Musikstilen der Tänzerin Kira Senkpiel Impulse für die jeweiligen Szenen geben. Musik für den Tanz – die Bewegung für den Klang. Die eigentlichen Dialoge des Stückes werden wie Zeugenaussagen per Ton eingespielt. Ein inhaltlich, wie formal sehr ambitioniertes künstlerisches Unternehmen, dem ihre Aufmerksamkeit gehören sollte.  Am 24.11. wird eine der wenigen interessanten weiblichen Comedy-Darstellerinnen die wir in Deutschland haben, die Ex-Stuttgarterin Patrizia Moresco, ihr neues Programm präsentieren. 5 Vorstellungen haben Sie, liebes Publikum, die Gelegenheit dieses komödiantische Talent zu erleben.
Und wenn Sie wieder mal Flamenco-Tanzkunst in bester Qualität erleben wollen, vom 16. – 18.11. gibt es ein Wiedersehen mit dem Flamenco-Tanzensemble „Flamencos en Route“, die im April diesen Jahres von der Stuttgarter Presse und dem damaligen Publikum einhellige Begeisterung erfuhren. Ein künstlerischer Genuss, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten!  Und der Dezember beginnt mit der Premiere einer neuen Produktion unseres Schauspielensembles. Also wieder mal tausend gute Gründe ins Theaterhaus zu gehen.
Wir freuen uns auf Sie. Im Namen der Theaterhaus-Belegschaft,
Ihr Werner Schretzmeier

19.07.2010

Vorwort August/ September

 

LIEBES PUBLIKUM,
Otto Teufel, der Bruder von Fritz, sagte am 15. Juli bei der Trauerfeier für seinen Bruder einen Satz, der ganz kompakt die Politik des Jahres 2010 beschreibt: „Die Armen werden ärmer, die Reichen werden reicher und unsere Enkel schickt man wieder in den Krieg.“ Die Klientenpolitik feiert fröhliche Urständ. Unter dem Deckmantel der Modernität, sollen reaktionäre Grundmuster zum gesellschaftspolitischen Alltag werden.
Das erste Halbjahr ist vorbei, die Akzeptanz für das Theaterhaus nimmt weiter zu. Nie hatten wir in den ersten 6 Monaten eines Jahres so viele Besucher: 161 940! Die Verantwortlichen des Theaterhauses danken allen und wünschen sich anlässlich des Theaterhaus-Jubiläums weiterhin Ihre Gunst, Ihre Neugier für unser reichhaltiges Programm.
Im August bieten wir Ihnen, wie jeden Sommer, eine Auswahl vergnüglicher und interessanter Veranstaltungen, wie z.B. ein Wiedersehen mit der Flamencokünstlerin Catarina Mora und deren Ensemble. Erleben Sie feurige, erstklassige Flamencotanzkunst, kombiniert mit Schauspiel und Gesang in angenehm gekühlter Atmosphäre in Halle T2 (siehe S. 26).
Noch immer begeistert von der schwungvollen fußballerischen Leistung unseres nationalen Teams bei der Fußball-WM, wird es Zeit wieder die schönen Seiten des Fußball-Alltags zu entdecken. Sicherlich gehört da der von Joe Bauer zusammengestellte Abend „Hurra, wir kicken noch!“ an vorderster Stelle dazu.
Bauer, Kolumnist der „Stuttgarter Nachrichten“ und Erfinder der erfolgreichen Veranstaltungsreihe „Flaneursalon“, ist ein leidenschaftlicher Unterstützer der „Stuttgarter Kickers“. Er präsentiert am 7. August eine wunderbare Mischung aus Musik, Comedy, Akrobatik und Joe Bauer (siehe S. 19). Interessant ist übrigens die Tatsache, dass der 7. August vor 8 Jahren ein Mittwoch war und der Tag an dem die erste Vorstellung von CAVEMAN im Theaterhaus präsentiert wurde. 8 erfolgreiche Jahre sind nun ins Land gegangen, nahezu 400 000 Besucher hat Martin Luding, der „Stuttgarter Caveman“ mit seiner Bühnenpräsenz begeistert. Jetzt im August können Sie CAVEMAN an vier Abenden erleben. Im September dito (siehe S. 21). Und seit dem 12. Juli ist Martin Luding nun Vater von 4 Kindern, da an diesem Tag sein jüngster Spross auf die Welt kam: Johann Luding. Wir gratulieren seiner Frau Christina, seiner ganzen Familie und selbstverständlich auch ihm! Jetzt bekommt sein neuestes Programm „Hi Dad! Hilfe. Endlich Papa.“ einen idealen Hintergrund.
Als formidable Entertainerin, als Juwel der Unterhaltung, hat sich die Darstellerin von „CAVEWOMAN“ erwiesen. Den Namen Heike Feist muss man sich merken. Hut ab vor dieser Energie und Präsenz. CAVEWOMAN auch im August und September (siehe S. 22).
Und das weltweit einzige Maskentheater mit eigenem Ensemble, das vom Theaterhaus als Co-Produzent unterstützt wird, die wunderbare FAMILIE FLÖZ, wird mit „Hotel Paradiso“ und „Ristorante Immortale“ zu erleben sein.
Letzteres wird in einer Neuauflage präsentiert, dargestellt von der Originalbesetzung aus dem Jahr 1998: Paco Gonzales, Björn Leese, Hajo Schüer, Ilka Vierkant und Michael Vogel. Das Theaterhaus freut sich das einzige Haus in Deutschland zu sein, das kontinuierlich die Sparte Maskentheater vorstellt (siehe S. 18, 20, 59).
Ebenfalls kontinuierlich können Sie Petra Afonin in unserem Programm erleben. Eine starke, eine erstklassige Bühnenpersönlichkeit, die mit ihrem Programm „Cellulita, die Königin der Nachtcremes“ schon seit 2 Jahren das Theaterhauspublikum begeistert. (siehe S. 27) Im programmatischen Zentrum des Monats September steht das excellente Musik-Comedy-Quintet Tango Five. Auch sie feiern in diesem Jahr ihr 25jähriges Bestehen. Bereits im ersten Theaterhaus waren viele tausend Besucher von der Qualität dieser Gruppe fasziniert. Die ultimative Tango Five-Jubiläumswoche wird vom 21. bis 26. September zu erleben sein. Gekrönt wird die Woche mit einer speziellen Geburtstagsgala am 25.9. (siehe S. 40 bis 43).
Eines darf nicht unerwähnt bleiben, da von ganz besonderer Güte: Die Produktion „King Kongo“, eine skandalöse postkoloniale Revue, als Koproduktion von FIDENA, dem Fitz-Figurentheater Stuttgart und dem Theaterhaus. Kongolesische und europäische Künstler entwickelten zusammen diese Produktion, erweitert um ehemalige kongolesische  Straßenkinder, die in ihrer Heimat seit zwei Jahren mit unglaublichem Temperament als Blaskapelle Furore machen (siehe S. 28). Ein sinnliches, politisches Spektakel erwartet Sie, liebes Publikum. Es wird hochinteressant werden!!
Das sind doch großartige Aussichten.

                              Darauf freut sich mit Ihnen, Ihr Werner Schretzmeier

17.05.2010

Vorwort Juni 10

Liebes Publikum
Auch im Fußballmonat Juni bieten wir Ihnen glänzende künstlerische Alternativen. Aber auch eine kulturelle Einstimmung in das Ballsportereignis in Südafrika: Ernst Konarek, in seinen jungen Jahren ein gefürchteter Torjäger in Österreich, mit einem ihm angemessenen Abend „Früher waren mehr Tore“, die ultimative Lesung zur Fußball-WM. Nach Konareks Leseprogramm wissen Sie definitiv mehr über dieses weltweit verbreitete Phänomen.
Konareks Blick auf und in den Fußball, lässt selbst den härtesten Gegner dieser Sportart ins Grübeln kommen. Soll ich doch mal einen Blick auf dieses Geschehen werfen? Einfach mal ein kleines Getränk im Hof des Theaterhauses bestellen und ganz zufällig auf die Großbildfläche schauen (wir haben während der WM eine solche, man nennt es Public-Viewing) und nebenbei die Reaktionen der Fußballfans studieren, so dass man immer noch sagen kann, ich war nur wegen Studienzwecken dabei. Hin oder Her, es gibt eine weitere Vertiefung zu diesem Ereignis: Die TH-Schauspielproduktion „Schiedsrichter Fertig“, seit einem Jahr im Schauspielrepertoire und in dieser Zeit zu einer Attraktion geworden.
Nun zu den Alternativen: Am WM-Eröffnungstag mit dem Stuttgarter Onnenchor, „Virginia Woolf“ und Ernst Konarek, dieses mal mit seinem großartigen Theatersolo „Die Judenbank“. Wenn Sie noch keine Gelegenheit hatten, den Dokumentarfilm „Lisette und ihre Kinder“ anzusehen, noch einmal wird er gezeigt, am 15.6., mit anschließendem Gespräch zwischen der Regisseurin Sigrid Klausmann und der Hauptdarstellerin Lisette. Ein anrührendes, anregendes, äußerst informatives Dokument. Und einen Tag später kommen die Musikliebhaber voll auf ihre Kosten: Anlässlich seines 1. Todestages gibt es den „Tribute to Charlie Mariano“. Dieser legendäre Musiker, der so fest mit der Geschichte des Theaterhauses verbunden ist, der so viele wunderbare Konzerte im Theaterhaus spielte, der so unverwechselbare Töne in der Jazzwelt zurückließ, wird von fünf ihm sehr nahe stehenden Musikern gewürdigt. Philip Catherine und Jasper van’t Hof, die mit ihm die unvergessliche Gruppe „Pork Pie“ bildeten, oder Dieter Ilg, der mit Charlie Mariano ein großartiges und sehr erfolgreiches Duo bildete. Am 16. Juni 2009 ist Charlie Mariano gestorben, am 16. Juni 2010 wollen wir ihn in Erinnerung rufen. Am 19.6. findet die 100. Vorstellung unserer Schauspielproduktion „Die Grönholm-Methode“ statt. Eine Erfolgsgeschichte, meisterlich inszeniert von Klaus Hemmerle, ebenso meisterlich gespielt vom TH-Schauspielensemble Und es heißt von einer Schauspielproduktion Abschied nehmen: „Du bist meine Mutter“ von Joop Admiraal, diesem großartigen niederländischen Schauspieler, Autor und Regisseur, gespielt vom exzellenten Menschendarsteller Stephan Moos, seit zwei Jahrzehnten Mitglied unseres Schauspielensembles. Eine wunderbare Ausstattung und eine ebensolche Regie, runden diese Theaterproduktion ab. Am 15.6.2004 feierte „Du bist meine Mutter“ Premiere, am 23.6.2010, 6 Jahre, bzw. 125 Vorstellungen später sagen wir auf niederländisch „vaarwel“, also „Tschüss“.
Und wenn wir schon bei den Niederlanden sind, am 6. Mai hat uns der niederländische Botschafter Marnix Krop besucht. Nach einem ausführlichen Rundgang durchs Haus zeigte sich der Botschafter äußerst erstaunt über die Tatsache, dass das Haus bei einem städtischen Subventionsanteil von gerade mal 18% trotzdem so erfolgreich arbeiten kann, da ja auch zwei Ensembles (Schauspiel und Tanz) zu unterhalten sind. „Um Himmels Willen, wie machen Sie das?“ war seine Frage. Wir haben ihn aufgeklärt.
Abschließend ein Hinweis auf den 1. Juli 2010. Christian Spuck, designierter Ballettdirektor am Opernhaus Zürich, wird nach „Don Q.“ eine weitere abendfüllende Choreographie fürs Theaterhaus produzieren. Mit Eric Gauthier und der Tanzcompany wird Spucks neueste Tanzkreation Poppea//Poppea am 1.7. seine Welturaufführung feiern.
Und am 8. Juli wird eine neue Schauspielproduktion Premiere haben:
„Scherbenpark“ von Alina Bronsky. Die Theaterfassung dieses literarischen Romanerfolges stammt aus der Feder von Thomas Richhardt. Als Hauptdarstellerin wird die großartige Larissa Iwlewa zu sehen sein.
Übrigens – die Autorin Alina Bronsky wird am 22.6. im Literaturhaus Stuttgart mit „Scherbenpark“ zu hören sein.
Die Alternativen sind reichlich. Greifen Sie zu. Wir freuen uns auf Sie, liebes Publikum.
Herzlichst Ihr Werner Schretzmeier

19.04.2010

Schretzmeiers Vorwort: Mai 2010

Liebes Publikum
Die Titelseite dieses Heftes: Ein politisches und ein menschliches Symbol.
©DoroTuch
Jung trägt alt, der Sohn seinen Vater, als Last, als Dank, als Zwang oder aus purer Freude? Viele wunderbare Fragezeichen, die entschlüsselt werden, um neue, verdrängte Fragen entstehen zu lassen. Ein äußerst anregender Vorgang den Sie, liebes Publikum, vom 6. bis 8. Mai mitverfolgen können, sich als Teil dieses interessanten theatralischen Ereignisses verstehen können, verstehen sollten. Ich kann diese 3 Vorstellungen wirklich allen unseren Besucherinnen und Besucher wärmstens ans Herz legen. Selten habe ich ein derart stimmiges Theaterereignis erlebt, kurzweilig, authentisch, raffiniert, anrührend und auf beste Art und Weise äußerst einfach erzählt.
Und mittendrin unser Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Joachim Bark (auf der Titelseite von seinem Sohn Sebastian getragen). Seit 1992 steht Joachim Bark an der Spitze des Trägervereins Theaterhaus Stuttgart e.V. und hat viel dazu beigetragen, dass die 25-jährige Geschichte des Theaterhauses eine wahrhafte Erfolgsgeschichte wurde. Jetzt hat es ihn auf die Bühne verschlagen und wir registrieren erstaunt: Es macht ihm große Freude, man spürt es als Betrachter, er verfügt über ein darstellerisches Gespür (seine beiden Mit-Väter stehen ihm an nichts nach), diese 3 „Laiendarsteller“ fordern die Profis von She She Pop, eine der erfolgreichsten deutschen Theater-Performance-Gruppen der letzten Jahre, deutlich heraus und stellen mit ihrer natürlichen Präsenz dieses nachhaltige Gefühl her außergewöhnliche eineinhalb Stunden erlebt zu haben.
Die „Frankfurter Rundschau“ schrieb am 27. Februar: „Was hat man nicht schon für Quatsch gesehen zum Thema Generation, gerade im Theater… Nun zeigt die Gruppe She She Pop, wie man auch herz- und schmerzhaft zupacken kann. Man kann zum Beispiel nachfragen, nachlesen, neugierig sein. Radikaler als mit der eigenen Familie geht das nicht: Die Frauen und der eine Mann von She She Pop haben ihre Väter zur Probe gebeten, mit ihnen Shakespeares „König Lear “ gelesen und dann einen Abend entwickelt. Man spricht über die Liebe und das Unverständnis und die Abhängigkeit, man stellt die wichtigen Fragen sehr direkt, um sie dann wach in offene Kunst zu überführen!“ Das „Hamburger Abendblatt“ kommt am 9. März dieses Jahres zur Feststellung:
„She She Pop gelingt mit „Testament“ ein großer Wurf!“ Diese 3 Vorstellungen von She She Pop sind der Abschluss einer theatralischen Performancereihe namens „ONE TWO THREE“ (Siehe S. 26/27). ONE beginnt am 3.5. mit „Contain – Leben in 33m3“. Die viel versprechende Stuttgarter Künstlergruppe zenit&nadir präsentiert mit Hilfe von Bewegung, Fotografie, Geräuschen, Musik, Poesie, Sprache, Text und Video eine Episode aus der Geschichte des Theaterhauses. Ein interessanter, vielschichtiger und eng mit dem Theaterhaus verbundener Abend erwartet uns. Die Reihe wird am 5. Mai  (siehe Seite 25) mit der Performancekünstlerin Ragani Haas fortgesetzt.
TWO trägt den Titel „Tä-ter-ää – Hilfestellung für Dilettanten“ und führt uns vor, wie sich einer aufführt – auch wenn er es nicht gelernt hat. Ragani Haas war Schülerin von Joan Jones, eine der großen Stars der internationalen Perfomance-Szene. Jones lehrte von 1995 bis 2000 an der Staatl. Akademie für Bildende Künste Stuttgart. Ihre Arbeit beeinflussten Richard Serra, Dan Graham, aber auch Laurie Anderson. Jones’ Projekte und Experimente schufen die Grundlage des Genres „Video-Performance“. Sie war auf der Documenta 1977, 1982 und 1987 mit Werken vertreten und lebt und arbeitet in New York.
Ragani Haas gehört zum Kreis der Künstler die von Joan Jones weltweit bei ihren Darbietungen beschäftigt werden. Wir dürfen mit Recht sehr gespannt sein, was die in Stuttgart lebende Ragani Haas aus ihrem reichhaltigen Gestaltungsarsenal präsentieren wird.
Liebes Publikum, vor einigen Tagen hat mich eine Besucherin angesprochen, wie sie dem Theaterhaus ein Geburtstagsgeschenk machen könne? Natürlich sind die häufigen Besuche schon ein tolles Geschenk, aber wenn Sie trotzdem was besonderes machen wollen, werden Sie Mitglied in einem der beiden Theaterhaus-Vereine, so meine Antwort. Sie wurde nun Mitglied im TH-Förderverein, hätte aber auch den Trägerverein mit ihrer Mitgliedschaft beglücken können. Eine bemerkenswerte Entscheidung, hilft diese doch äußerst langfristig. Darüber hinaus wird die Theaterhaus-Familie um eine Person unabhängiger, überlebensfähiger! Großartig! Zum Nachmachen unbedingt empfohlen, sagt nicht nur der amtliche „Warentest“, sagen auch alle, die schon vor Jahren diesen Schritt getan haben. Mehr darüber im Heft oder über die e-mail-Adresse: tom.schoessler@theaterhaus.com.
Sie können es sich noch überlegen, am 28.3.2011 endet das Geburtstagsjahr.
Wir warten gerne auf Sie.
Herzlichst Ihr Werner Schretzmeier

15.03.2010

Schretzmeiers Vorwort: April 2010

Liebes Publikum
Der erste Monat im Jubiläumsjahr beginnt mit den Internationalen-Theaterhaus-Jazztagen, die seit 1985 bestehen. Begann damals das erste Theaterhaus-Jazzfestival am 6.4., also sieben Tage nach Eröffnung des 1. Theaterhauses in Stuttgart-Wangen, sind wir 25 Jahre später nur noch
3 Tage vom Jubiläumstag, dem 29.3., entfernt. Das Festival hat sich in dieser Zeit zu einem der wichtigsten in Deutschland entwickelt und war von Beginn an auch immer Impulsgeber für die nationale und internationale Jazzszene. Bereits in den ersten Jahren war es für uns Verpflichtung speziell die nationalen Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker zu präsentieren, als Gegenentwurf für die damalige Ansicht, dass ein wichtiges Jazzfestival überwiegend bis komplett mit amerikanischen Musikern besetzt sein muss.
Europäische Musiker waren fast schon die Ausnahme, deutsche Musiker mussten sich immer hinten anstellen. Ein interessanter Mix, quantitativ und qualitativ, wurde noch nicht gewagt. Anders bei den Theaterhaus-Jazztagen.
Die Nachwuchsförderung wurde ab 1986 konsequent Jahr für Jahr ausgebaut.
Davon profitierte sehr stark die lokale Jazzszene. 2010, bei der 24. Auflage des Festivals ist dieser Programmstrang mit einer zusätzlichen Idee ausgestattet: Unser Plan ist zukünftig 4 bis 5 Nachwuchsmusikerinnen bzw. -musiker jährlich einen Festivalauftritt einzuräumen, so dass jeder und jede Musikinteressierte künstlerische Entwicklungen Schritt für Schritt mitverfolgen kann. Quasi eine Live-Dokumentation über künstlerische Werdegänge. ANNE CZICHOWSKY, OLIVIA TRUMMER, KATI BRIEN, BARBARA BÜRKLE und AXEL KÜHN sind die Hauptdarsteller dieser Dokumentation. Vier junge, verheißungsvolle Musikerinnen und ein Musiker am Beginn ihrer Karriere. Wo stehen sie künstlerisch im nächsten Jahr? Wir sind sicher, dass dies ein spannendes Unternehmen werden kann. Und weil ich vorhin die frühere Praxis von Festivalangeboten kritisiert habe, eine Klarstellung: Amerikanische Musiker sind nach wie vor von großer Bedeutung und teilweise stilprägend und gehören zum Angebot eines jeden guten Festivals. Die bisherigen vierundzwanzig Oster-Festivals und die 5 Jazzgipfel, die wir zwischen 1988 und 1992 veranstaltet haben, sind deutliche Belege dieser Tatsache. Ob es 1988 Miles Davis war, oder 1986 Gerry Mulligan oder Dizzy Gillespie. Ob Bobby McFerrin oder Dave Brubeck, Herbie Hancock, Dee Dee Bridgewater, Stan Getz, die Marsalis-Brothers, Chet Baker, alle, außer Sonny Rollins, haben ihre Töne dem Theaterhaus geschenkt, uns reicher gemacht. So soll es auch dieses Jahr sein. Wir präsentieren im Jubiläumsjahr eine ganze Reihe von Jubilaren (KARL BERGER, HERBERT JOOS, ACK VAN ROOYEN) und weitere erstklassige Interpreten wie das MOSCOW ART TRIO oder das RADIO.STRING.QUARTET.VIENNA. Wir freuen uns auf einen der seltenen Auftritte des WOLFGANG DAUNER TRIOS und empfehlen außerdem das Quartet von NGUYEN LÊ, den großartigen JOACHIM KÜHN mit seinen marokkanischen  Musikern und sollte es um eine wortwörtliche Festival-Entdeckung gehen: Die vier jungen Engländer, die sich PORTICO QUARTET nennen, dürften dafür geradezu geschaffen sein. Und als Festival-Abschluss keine geringere als JULIETTE GRÉCO. Das  sind doch richtig interessante Jazztage, überzeugen Sie sich.
Zwei Tage später, ab dem 7.4., sind dann die einmaligen Tänzerinnen der Schweizer Tanzcompagnie „FLAMENCOS EN ROUTE“ für 5 Vorstellungen unsere Gäste. Diese Compagnie zählt zu unseren langjährigsten Partnern, denn seit
1991 zeigt „Flamencos en route“ im Theaterhaus seine neuesten Kreationen.
Wie das Theaterhaus, so feiert die Compagnie 2010 ihr 25-jähriges Bestehen und stellt mit „florescencia“ ihre Jubiläumsproduktion vor. „Flamencos en route“ ist großartige Flamenco-Tanzkunst, weit über die touristischen Aspekte dieses Genres hinaus, eine tänzerische und musikalische Seltenheit, die zu veranstalten uns mit Freude erfüllt. Auch zu Ihrer Freude, liebes Publikum!

In diesem Sinne, herzlichst Ihr Werner Schretzmeier