19.07.2010

Vorwort August/ September

 

LIEBES PUBLIKUM,
Otto Teufel, der Bruder von Fritz, sagte am 15. Juli bei der Trauerfeier für seinen Bruder einen Satz, der ganz kompakt die Politik des Jahres 2010 beschreibt: „Die Armen werden ärmer, die Reichen werden reicher und unsere Enkel schickt man wieder in den Krieg.“ Die Klientenpolitik feiert fröhliche Urständ. Unter dem Deckmantel der Modernität, sollen reaktionäre Grundmuster zum gesellschaftspolitischen Alltag werden.
Das erste Halbjahr ist vorbei, die Akzeptanz für das Theaterhaus nimmt weiter zu. Nie hatten wir in den ersten 6 Monaten eines Jahres so viele Besucher: 161 940! Die Verantwortlichen des Theaterhauses danken allen und wünschen sich anlässlich des Theaterhaus-Jubiläums weiterhin Ihre Gunst, Ihre Neugier für unser reichhaltiges Programm.
Im August bieten wir Ihnen, wie jeden Sommer, eine Auswahl vergnüglicher und interessanter Veranstaltungen, wie z.B. ein Wiedersehen mit der Flamencokünstlerin Catarina Mora und deren Ensemble. Erleben Sie feurige, erstklassige Flamencotanzkunst, kombiniert mit Schauspiel und Gesang in angenehm gekühlter Atmosphäre in Halle T2 (siehe S. 26).
Noch immer begeistert von der schwungvollen fußballerischen Leistung unseres nationalen Teams bei der Fußball-WM, wird es Zeit wieder die schönen Seiten des Fußball-Alltags zu entdecken. Sicherlich gehört da der von Joe Bauer zusammengestellte Abend „Hurra, wir kicken noch!“ an vorderster Stelle dazu.
Bauer, Kolumnist der „Stuttgarter Nachrichten“ und Erfinder der erfolgreichen Veranstaltungsreihe „Flaneursalon“, ist ein leidenschaftlicher Unterstützer der „Stuttgarter Kickers“. Er präsentiert am 7. August eine wunderbare Mischung aus Musik, Comedy, Akrobatik und Joe Bauer (siehe S. 19). Interessant ist übrigens die Tatsache, dass der 7. August vor 8 Jahren ein Mittwoch war und der Tag an dem die erste Vorstellung von CAVEMAN im Theaterhaus präsentiert wurde. 8 erfolgreiche Jahre sind nun ins Land gegangen, nahezu 400 000 Besucher hat Martin Luding, der „Stuttgarter Caveman“ mit seiner Bühnenpräsenz begeistert. Jetzt im August können Sie CAVEMAN an vier Abenden erleben. Im September dito (siehe S. 21). Und seit dem 12. Juli ist Martin Luding nun Vater von 4 Kindern, da an diesem Tag sein jüngster Spross auf die Welt kam: Johann Luding. Wir gratulieren seiner Frau Christina, seiner ganzen Familie und selbstverständlich auch ihm! Jetzt bekommt sein neuestes Programm „Hi Dad! Hilfe. Endlich Papa.“ einen idealen Hintergrund.
Als formidable Entertainerin, als Juwel der Unterhaltung, hat sich die Darstellerin von „CAVEWOMAN“ erwiesen. Den Namen Heike Feist muss man sich merken. Hut ab vor dieser Energie und Präsenz. CAVEWOMAN auch im August und September (siehe S. 22).
Und das weltweit einzige Maskentheater mit eigenem Ensemble, das vom Theaterhaus als Co-Produzent unterstützt wird, die wunderbare FAMILIE FLÖZ, wird mit „Hotel Paradiso“ und „Ristorante Immortale“ zu erleben sein.
Letzteres wird in einer Neuauflage präsentiert, dargestellt von der Originalbesetzung aus dem Jahr 1998: Paco Gonzales, Björn Leese, Hajo Schüer, Ilka Vierkant und Michael Vogel. Das Theaterhaus freut sich das einzige Haus in Deutschland zu sein, das kontinuierlich die Sparte Maskentheater vorstellt (siehe S. 18, 20, 59).
Ebenfalls kontinuierlich können Sie Petra Afonin in unserem Programm erleben. Eine starke, eine erstklassige Bühnenpersönlichkeit, die mit ihrem Programm „Cellulita, die Königin der Nachtcremes“ schon seit 2 Jahren das Theaterhauspublikum begeistert. (siehe S. 27) Im programmatischen Zentrum des Monats September steht das excellente Musik-Comedy-Quintet Tango Five. Auch sie feiern in diesem Jahr ihr 25jähriges Bestehen. Bereits im ersten Theaterhaus waren viele tausend Besucher von der Qualität dieser Gruppe fasziniert. Die ultimative Tango Five-Jubiläumswoche wird vom 21. bis 26. September zu erleben sein. Gekrönt wird die Woche mit einer speziellen Geburtstagsgala am 25.9. (siehe S. 40 bis 43).
Eines darf nicht unerwähnt bleiben, da von ganz besonderer Güte: Die Produktion „King Kongo“, eine skandalöse postkoloniale Revue, als Koproduktion von FIDENA, dem Fitz-Figurentheater Stuttgart und dem Theaterhaus. Kongolesische und europäische Künstler entwickelten zusammen diese Produktion, erweitert um ehemalige kongolesische  Straßenkinder, die in ihrer Heimat seit zwei Jahren mit unglaublichem Temperament als Blaskapelle Furore machen (siehe S. 28). Ein sinnliches, politisches Spektakel erwartet Sie, liebes Publikum. Es wird hochinteressant werden!!
Das sind doch großartige Aussichten.

                              Darauf freut sich mit Ihnen, Ihr Werner Schretzmeier

17.05.2010

Vorwort Juni 10

Liebes Publikum
Auch im Fußballmonat Juni bieten wir Ihnen glänzende künstlerische Alternativen. Aber auch eine kulturelle Einstimmung in das Ballsportereignis in Südafrika: Ernst Konarek, in seinen jungen Jahren ein gefürchteter Torjäger in Österreich, mit einem ihm angemessenen Abend „Früher waren mehr Tore“, die ultimative Lesung zur Fußball-WM. Nach Konareks Leseprogramm wissen Sie definitiv mehr über dieses weltweit verbreitete Phänomen.
Konareks Blick auf und in den Fußball, lässt selbst den härtesten Gegner dieser Sportart ins Grübeln kommen. Soll ich doch mal einen Blick auf dieses Geschehen werfen? Einfach mal ein kleines Getränk im Hof des Theaterhauses bestellen und ganz zufällig auf die Großbildfläche schauen (wir haben während der WM eine solche, man nennt es Public-Viewing) und nebenbei die Reaktionen der Fußballfans studieren, so dass man immer noch sagen kann, ich war nur wegen Studienzwecken dabei. Hin oder Her, es gibt eine weitere Vertiefung zu diesem Ereignis: Die TH-Schauspielproduktion „Schiedsrichter Fertig“, seit einem Jahr im Schauspielrepertoire und in dieser Zeit zu einer Attraktion geworden.
Nun zu den Alternativen: Am WM-Eröffnungstag mit dem Stuttgarter Onnenchor, „Virginia Woolf“ und Ernst Konarek, dieses mal mit seinem großartigen Theatersolo „Die Judenbank“. Wenn Sie noch keine Gelegenheit hatten, den Dokumentarfilm „Lisette und ihre Kinder“ anzusehen, noch einmal wird er gezeigt, am 15.6., mit anschließendem Gespräch zwischen der Regisseurin Sigrid Klausmann und der Hauptdarstellerin Lisette. Ein anrührendes, anregendes, äußerst informatives Dokument. Und einen Tag später kommen die Musikliebhaber voll auf ihre Kosten: Anlässlich seines 1. Todestages gibt es den „Tribute to Charlie Mariano“. Dieser legendäre Musiker, der so fest mit der Geschichte des Theaterhauses verbunden ist, der so viele wunderbare Konzerte im Theaterhaus spielte, der so unverwechselbare Töne in der Jazzwelt zurückließ, wird von fünf ihm sehr nahe stehenden Musikern gewürdigt. Philip Catherine und Jasper van’t Hof, die mit ihm die unvergessliche Gruppe „Pork Pie“ bildeten, oder Dieter Ilg, der mit Charlie Mariano ein großartiges und sehr erfolgreiches Duo bildete. Am 16. Juni 2009 ist Charlie Mariano gestorben, am 16. Juni 2010 wollen wir ihn in Erinnerung rufen. Am 19.6. findet die 100. Vorstellung unserer Schauspielproduktion „Die Grönholm-Methode“ statt. Eine Erfolgsgeschichte, meisterlich inszeniert von Klaus Hemmerle, ebenso meisterlich gespielt vom TH-Schauspielensemble Und es heißt von einer Schauspielproduktion Abschied nehmen: „Du bist meine Mutter“ von Joop Admiraal, diesem großartigen niederländischen Schauspieler, Autor und Regisseur, gespielt vom exzellenten Menschendarsteller Stephan Moos, seit zwei Jahrzehnten Mitglied unseres Schauspielensembles. Eine wunderbare Ausstattung und eine ebensolche Regie, runden diese Theaterproduktion ab. Am 15.6.2004 feierte „Du bist meine Mutter“ Premiere, am 23.6.2010, 6 Jahre, bzw. 125 Vorstellungen später sagen wir auf niederländisch „vaarwel“, also „Tschüss“.
Und wenn wir schon bei den Niederlanden sind, am 6. Mai hat uns der niederländische Botschafter Marnix Krop besucht. Nach einem ausführlichen Rundgang durchs Haus zeigte sich der Botschafter äußerst erstaunt über die Tatsache, dass das Haus bei einem städtischen Subventionsanteil von gerade mal 18% trotzdem so erfolgreich arbeiten kann, da ja auch zwei Ensembles (Schauspiel und Tanz) zu unterhalten sind. „Um Himmels Willen, wie machen Sie das?“ war seine Frage. Wir haben ihn aufgeklärt.
Abschließend ein Hinweis auf den 1. Juli 2010. Christian Spuck, designierter Ballettdirektor am Opernhaus Zürich, wird nach „Don Q.“ eine weitere abendfüllende Choreographie fürs Theaterhaus produzieren. Mit Eric Gauthier und der Tanzcompany wird Spucks neueste Tanzkreation Poppea//Poppea am 1.7. seine Welturaufführung feiern.
Und am 8. Juli wird eine neue Schauspielproduktion Premiere haben:
„Scherbenpark“ von Alina Bronsky. Die Theaterfassung dieses literarischen Romanerfolges stammt aus der Feder von Thomas Richhardt. Als Hauptdarstellerin wird die großartige Larissa Iwlewa zu sehen sein.
Übrigens – die Autorin Alina Bronsky wird am 22.6. im Literaturhaus Stuttgart mit „Scherbenpark“ zu hören sein.
Die Alternativen sind reichlich. Greifen Sie zu. Wir freuen uns auf Sie, liebes Publikum.
Herzlichst Ihr Werner Schretzmeier

19.04.2010

Schretzmeiers Vorwort: Mai 2010

Liebes Publikum
Die Titelseite dieses Heftes: Ein politisches und ein menschliches Symbol.
©DoroTuch
Jung trägt alt, der Sohn seinen Vater, als Last, als Dank, als Zwang oder aus purer Freude? Viele wunderbare Fragezeichen, die entschlüsselt werden, um neue, verdrängte Fragen entstehen zu lassen. Ein äußerst anregender Vorgang den Sie, liebes Publikum, vom 6. bis 8. Mai mitverfolgen können, sich als Teil dieses interessanten theatralischen Ereignisses verstehen können, verstehen sollten. Ich kann diese 3 Vorstellungen wirklich allen unseren Besucherinnen und Besucher wärmstens ans Herz legen. Selten habe ich ein derart stimmiges Theaterereignis erlebt, kurzweilig, authentisch, raffiniert, anrührend und auf beste Art und Weise äußerst einfach erzählt.
Und mittendrin unser Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Joachim Bark (auf der Titelseite von seinem Sohn Sebastian getragen). Seit 1992 steht Joachim Bark an der Spitze des Trägervereins Theaterhaus Stuttgart e.V. und hat viel dazu beigetragen, dass die 25-jährige Geschichte des Theaterhauses eine wahrhafte Erfolgsgeschichte wurde. Jetzt hat es ihn auf die Bühne verschlagen und wir registrieren erstaunt: Es macht ihm große Freude, man spürt es als Betrachter, er verfügt über ein darstellerisches Gespür (seine beiden Mit-Väter stehen ihm an nichts nach), diese 3 „Laiendarsteller“ fordern die Profis von She She Pop, eine der erfolgreichsten deutschen Theater-Performance-Gruppen der letzten Jahre, deutlich heraus und stellen mit ihrer natürlichen Präsenz dieses nachhaltige Gefühl her außergewöhnliche eineinhalb Stunden erlebt zu haben.
Die „Frankfurter Rundschau“ schrieb am 27. Februar: „Was hat man nicht schon für Quatsch gesehen zum Thema Generation, gerade im Theater… Nun zeigt die Gruppe She She Pop, wie man auch herz- und schmerzhaft zupacken kann. Man kann zum Beispiel nachfragen, nachlesen, neugierig sein. Radikaler als mit der eigenen Familie geht das nicht: Die Frauen und der eine Mann von She She Pop haben ihre Väter zur Probe gebeten, mit ihnen Shakespeares „König Lear “ gelesen und dann einen Abend entwickelt. Man spricht über die Liebe und das Unverständnis und die Abhängigkeit, man stellt die wichtigen Fragen sehr direkt, um sie dann wach in offene Kunst zu überführen!“ Das „Hamburger Abendblatt“ kommt am 9. März dieses Jahres zur Feststellung:
„She She Pop gelingt mit „Testament“ ein großer Wurf!“ Diese 3 Vorstellungen von She She Pop sind der Abschluss einer theatralischen Performancereihe namens „ONE TWO THREE“ (Siehe S. 26/27). ONE beginnt am 3.5. mit „Contain – Leben in 33m3“. Die viel versprechende Stuttgarter Künstlergruppe zenit&nadir präsentiert mit Hilfe von Bewegung, Fotografie, Geräuschen, Musik, Poesie, Sprache, Text und Video eine Episode aus der Geschichte des Theaterhauses. Ein interessanter, vielschichtiger und eng mit dem Theaterhaus verbundener Abend erwartet uns. Die Reihe wird am 5. Mai  (siehe Seite 25) mit der Performancekünstlerin Ragani Haas fortgesetzt.
TWO trägt den Titel „Tä-ter-ää – Hilfestellung für Dilettanten“ und führt uns vor, wie sich einer aufführt – auch wenn er es nicht gelernt hat. Ragani Haas war Schülerin von Joan Jones, eine der großen Stars der internationalen Perfomance-Szene. Jones lehrte von 1995 bis 2000 an der Staatl. Akademie für Bildende Künste Stuttgart. Ihre Arbeit beeinflussten Richard Serra, Dan Graham, aber auch Laurie Anderson. Jones’ Projekte und Experimente schufen die Grundlage des Genres „Video-Performance“. Sie war auf der Documenta 1977, 1982 und 1987 mit Werken vertreten und lebt und arbeitet in New York.
Ragani Haas gehört zum Kreis der Künstler die von Joan Jones weltweit bei ihren Darbietungen beschäftigt werden. Wir dürfen mit Recht sehr gespannt sein, was die in Stuttgart lebende Ragani Haas aus ihrem reichhaltigen Gestaltungsarsenal präsentieren wird.
Liebes Publikum, vor einigen Tagen hat mich eine Besucherin angesprochen, wie sie dem Theaterhaus ein Geburtstagsgeschenk machen könne? Natürlich sind die häufigen Besuche schon ein tolles Geschenk, aber wenn Sie trotzdem was besonderes machen wollen, werden Sie Mitglied in einem der beiden Theaterhaus-Vereine, so meine Antwort. Sie wurde nun Mitglied im TH-Förderverein, hätte aber auch den Trägerverein mit ihrer Mitgliedschaft beglücken können. Eine bemerkenswerte Entscheidung, hilft diese doch äußerst langfristig. Darüber hinaus wird die Theaterhaus-Familie um eine Person unabhängiger, überlebensfähiger! Großartig! Zum Nachmachen unbedingt empfohlen, sagt nicht nur der amtliche „Warentest“, sagen auch alle, die schon vor Jahren diesen Schritt getan haben. Mehr darüber im Heft oder über die e-mail-Adresse: tom.schoessler@theaterhaus.com.
Sie können es sich noch überlegen, am 28.3.2011 endet das Geburtstagsjahr.
Wir warten gerne auf Sie.
Herzlichst Ihr Werner Schretzmeier

15.03.2010

Schretzmeiers Vorwort: April 2010

Liebes Publikum
Der erste Monat im Jubiläumsjahr beginnt mit den Internationalen-Theaterhaus-Jazztagen, die seit 1985 bestehen. Begann damals das erste Theaterhaus-Jazzfestival am 6.4., also sieben Tage nach Eröffnung des 1. Theaterhauses in Stuttgart-Wangen, sind wir 25 Jahre später nur noch
3 Tage vom Jubiläumstag, dem 29.3., entfernt. Das Festival hat sich in dieser Zeit zu einem der wichtigsten in Deutschland entwickelt und war von Beginn an auch immer Impulsgeber für die nationale und internationale Jazzszene. Bereits in den ersten Jahren war es für uns Verpflichtung speziell die nationalen Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker zu präsentieren, als Gegenentwurf für die damalige Ansicht, dass ein wichtiges Jazzfestival überwiegend bis komplett mit amerikanischen Musikern besetzt sein muss.
Europäische Musiker waren fast schon die Ausnahme, deutsche Musiker mussten sich immer hinten anstellen. Ein interessanter Mix, quantitativ und qualitativ, wurde noch nicht gewagt. Anders bei den Theaterhaus-Jazztagen.
Die Nachwuchsförderung wurde ab 1986 konsequent Jahr für Jahr ausgebaut.
Davon profitierte sehr stark die lokale Jazzszene. 2010, bei der 24. Auflage des Festivals ist dieser Programmstrang mit einer zusätzlichen Idee ausgestattet: Unser Plan ist zukünftig 4 bis 5 Nachwuchsmusikerinnen bzw. -musiker jährlich einen Festivalauftritt einzuräumen, so dass jeder und jede Musikinteressierte künstlerische Entwicklungen Schritt für Schritt mitverfolgen kann. Quasi eine Live-Dokumentation über künstlerische Werdegänge. ANNE CZICHOWSKY, OLIVIA TRUMMER, KATI BRIEN, BARBARA BÜRKLE und AXEL KÜHN sind die Hauptdarsteller dieser Dokumentation. Vier junge, verheißungsvolle Musikerinnen und ein Musiker am Beginn ihrer Karriere. Wo stehen sie künstlerisch im nächsten Jahr? Wir sind sicher, dass dies ein spannendes Unternehmen werden kann. Und weil ich vorhin die frühere Praxis von Festivalangeboten kritisiert habe, eine Klarstellung: Amerikanische Musiker sind nach wie vor von großer Bedeutung und teilweise stilprägend und gehören zum Angebot eines jeden guten Festivals. Die bisherigen vierundzwanzig Oster-Festivals und die 5 Jazzgipfel, die wir zwischen 1988 und 1992 veranstaltet haben, sind deutliche Belege dieser Tatsache. Ob es 1988 Miles Davis war, oder 1986 Gerry Mulligan oder Dizzy Gillespie. Ob Bobby McFerrin oder Dave Brubeck, Herbie Hancock, Dee Dee Bridgewater, Stan Getz, die Marsalis-Brothers, Chet Baker, alle, außer Sonny Rollins, haben ihre Töne dem Theaterhaus geschenkt, uns reicher gemacht. So soll es auch dieses Jahr sein. Wir präsentieren im Jubiläumsjahr eine ganze Reihe von Jubilaren (KARL BERGER, HERBERT JOOS, ACK VAN ROOYEN) und weitere erstklassige Interpreten wie das MOSCOW ART TRIO oder das RADIO.STRING.QUARTET.VIENNA. Wir freuen uns auf einen der seltenen Auftritte des WOLFGANG DAUNER TRIOS und empfehlen außerdem das Quartet von NGUYEN LÊ, den großartigen JOACHIM KÜHN mit seinen marokkanischen  Musikern und sollte es um eine wortwörtliche Festival-Entdeckung gehen: Die vier jungen Engländer, die sich PORTICO QUARTET nennen, dürften dafür geradezu geschaffen sein. Und als Festival-Abschluss keine geringere als JULIETTE GRÉCO. Das  sind doch richtig interessante Jazztage, überzeugen Sie sich.
Zwei Tage später, ab dem 7.4., sind dann die einmaligen Tänzerinnen der Schweizer Tanzcompagnie „FLAMENCOS EN ROUTE“ für 5 Vorstellungen unsere Gäste. Diese Compagnie zählt zu unseren langjährigsten Partnern, denn seit
1991 zeigt „Flamencos en route“ im Theaterhaus seine neuesten Kreationen.
Wie das Theaterhaus, so feiert die Compagnie 2010 ihr 25-jähriges Bestehen und stellt mit „florescencia“ ihre Jubiläumsproduktion vor. „Flamencos en route“ ist großartige Flamenco-Tanzkunst, weit über die touristischen Aspekte dieses Genres hinaus, eine tänzerische und musikalische Seltenheit, die zu veranstalten uns mit Freude erfüllt. Auch zu Ihrer Freude, liebes Publikum!

In diesem Sinne, herzlichst Ihr Werner Schretzmeier

16.02.2010

Schretzmeiers Vorwort März 2010

Liebes Publikum

Nun ist es soweit. Ein Vierteljahrhundert ist Ende März vollendet. 25 Jahre Theaterhaus! Einen Tusch darauf. Oder anders ausgedrückt: 3,9 Millionen Besucherinnen und Besucher und 16 000 Veranstaltungen später. Eine ganze Menge. Wer hätte das gedacht. Allen die dazu beigetragen haben, meinen allerbesten Dank dafür. Und speziell Ihnen, liebes Publikum. Die wunderbare Theaterhaus-Belegschaft bereitet alles in bester Weise vor, Sie, liebes Publikum, greifen in großer Zahl zu. Herz was willst Du mehr. Ach, noch weitere schöne Vorstellungen, höre ich Sie sagen.

Voilà, dieses Programmheft ist voll davon. Aber zwei Tage stechen doch heraus: Der 23. und 24. März.  Und nur im Theaterhaus! Die beiden einzigen Konzerte in Deutschland. David Helfgott, dieser einzigartige, phänomenale Pianist, wird unter anderem Rachmaninoffs 3. Klavierkonzert zu Gehör bringen. Eine Sternstunde in der Theaterhausgeschichte steht bevor.
Und die nächste folgt garantiert am 5.4., der Abend mit Juliette Greco. Noch einmal kommt diese außergewöhnliche, über viele Jahrzehnte hinweg stilprägende Künstlerin zu uns. Ich erinnere mich an den 17. April 1993.
Juliette Greco kam zum ersten Mal nach Stuttgart ins Theaterhaus. Sie sagte bei der Begrüßung am Nachmittag, dass sie noch nie in einer umgebauten Fabrik ein Konzert gegeben hätte. Aber nachdem sie erfahren habe, dass im gleichen Raum Dizzy Gillespie, Dave Brubeck, Gerry Mulligan, Herbie Hancock, Bobby McFerrin oder Astor Piazolla aufgetreten sind, sei ihr klar gewesen, dass das nur richtig sein kann. Sie wurde am Abend bestätigt und kam dann immer wieder. Ein Beispiel von vielen, das auch das besondere Verhältnis vieler großer Künstler zum Theaterhaus und seinem Publikum treffend beschreibt.

Und da wir Geburtstag haben, dürfen wir uns was wünschen. An die Adresse der politisch Verantwortlichen dieser Stadt: Im Vorwort Juni 2009 schrieb ich von der Unmöglichkeit, dass es bis heute gegenüber dem Bahnhof den „Hindenburgbau“ gibt. Jener Paul von Hindenburg, der als Reichspräsident am 30.1.1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und wenig später das „Ermächtigungsgesetz“ unterzeichnet hat, das die rechtliche Grundlage zur Errichtung der Nazi-Diktatur darstellte. Diese Symbolfigur der Demokratiefeinde hat keinen Platz in Stuttgart zu haben, weder als Ehrenbürger, seit 1933, noch als Hausbezeichnung. Eine Umbenennung muss schnellsten geschehen.
Das ist der Theaterhaus-Geburtstagswunsch. Nennt es zum Beispiel Manfred-Rommel-Haus. Dieser Mann hat Stuttgart aufs Beste repräsentiert und eine kommunalpolitische Geste in diese Richtung steht schon lange an.
Auf die nächsten 25, mit uns, mit Ihnen, liebes Publikum.

 Im Namen der Belegschaft, Ihr Werner Schretzmeier

18.01.2010

Vorwort Februar

Liebes Publikum

Jetzt steht es fest: Auch 2009 haben wir die 300 000 geschafft. Genau 300 066 Besucherinnen und Besucher haben das Theaterhaus mit ihrem Kommen beehrt. Dafür unseren herzlichsten Dank, liebes Publikum! Das deutet darauf hin, dass Ende März 2010, nach sieben Jahren im neuen Haus, uns ca. 1,9 Millionen besucht haben. Und nimmt man dann die ersten 18 Jahre im Theaterhaus in Stgt.-Wangen dazu, sind wir nach 25 Jahren bei ca. 3,9 Millionen Besucherinnen und Besucher angelangt. Eine imposante Zahl, Bestätigung unserer Arbeit, Bestätigung, dass das Theaterhaus für Stuttgart und die ganze Region, ein unverzichtbarer kultureller Ort geworden ist, der auch im 25. Jahr seines Bestehens die Menschen überzeugt und sich stetig weiterentwickelt. Read more…

15.12.2009

Vorwort Januar

Liebes Publikum,

Das neue Jahr beginnt mit einer Erinnerung. Am 1.1.2000, vor 10 Jahren, gedachten wir in der Stuttgarter Staatsoper unserem Freund, Förderer und ehrenamtlichem Theaterhaus-Geschäftsführer Hans Peter Doll, der am 27.12.1999 verstarb. In unserem Nachruf schrieben wir: „Ohne sein Wissen und seine Tat wären wir nicht das, was wir heute sind.“ Er war eine der wichtigsten Persönlichkeiten des deutschsprachigen Theaters. Allein seine Verdienste um das Stuttgarter Theaterleben sind legendär. Als Generalintendant verantwortete er die Ära um Claus Peymann und John Cranko.
Wir gedenken außerdem unserem ebenfalls vor 10 Jahren verstorbenen Kollegen Klaus B. Harms, in früheren Tagen Feuilleton-Chef der „Stuttgarter Nachrichten“, der mit seiner Veranstaltungsreihe „Küchengespräche“ einen der Höhepunkte in der Programmgeschichte des Theaterhauses fabrizierte. Im März-Programmheft des Jahres 2000 schrieb ich: „Peter Doll und Klaus B. Harms werden uns noch lange begleiten, sie haben das Innenleben des Theaterhausbetriebs noch stärker gemacht, sie haben uns durch ihre handwerkliche Kunst und ihre große Menschlichkeit Werte an die Hand gegeben, die wir nun untereinander und zum Nutzen unseres Publikums weiterentwickeln werden. Dieses Vermächtnis gibt uns so viel Energie, Fantasie und Mut, dass uns vor den kommenden sehr arbeitsreichen Ereignissen nicht bange wird. Die Erinnerung an unsere beiden verstorbenen Kollegen wird uns Flügel verleihen.“ Und sie sind uns gewachsen. Die ersten 7 Jahre im neuen Theaterhaus haben dies bewiesen. Und Sie, liebes Publikum, sind mitgeflogen. Wiederum 300 000 im Jahr 2009. Nach 2007 und 2008 das dritte Jahr auf diesem Besucherlevel.  Read more…

24.11.2009

Vorwort Dezember

Liebes Publikum,

Landauf, landab wird momentan appelliert, dass die Kulturausgaben der Kommunen und  Länder, Investitionen in die Zukunft sind, Investitionen die dringend notwendig sind, weil sie auch in engerem Sinne die Bereiche Bildung und Kreativwirtschaft beeinflussen und stärken. Aber auch eine Sozialpolitik die erfolgreich sein will, kann auf die vielen positiven Synergien aus der Kultur, nicht verzichten. Alles richtig, allein die politische Wirklichkeit sieht anders aus. Noch. Kürzungen stehen ins Haus, kulturelle Entwicklungen sollen zerstört werden, die Arbeit vieler kulturell engagierter Menschen, die fernab jedes sozialen Standards über Jahre aktiv sind, steht zur Disposition. Read more…