11.12.2011

Schretzmeiers Vorwort 01//2012

Liebes Publikum,

Neues Jahr, neues Glück. Wer glaubt, dass das Thema Stuttgart 21 vom Tisch sei, wird sich darauf einrichten müssen, dass es noch knüppeldick kommt. Da ist Anfang Januar der geplante Abriss des Bahnhof-Südflügels. Da sind die Baumfällarbeiten im Schlossgarten und die schon lange angekündigte Räumung der Zeltstadt im Park. Ende Januar, so ist zu befürchten, wird Stuttgart gespaltener sein, als je zuvor!

Verständlich, denn trotz Volksabstimmung vom 27.11.11, hat sich am Sachverhalt nichts verändert: Ein funktionierender Bahnhof, bewusst von der Deutschen Bahn heruntergewirtschaftet, aber immer noch leistungsstark, soll mit Hilfe vieler Milliarden Euro, unter die Erde verbannt werden. Und wenn das Geld nicht reicht, wird die Allgemeinheit zur Kasse gebeten. Außerdem, die Deutsche Bahn weigert sich nach wie vor Transparenz herzustellen, was die reale Bausumme betrifft.

Alles Faktoren, die nicht zur Befriedung beitragen, im Gegenteil. Immer wieder ertappt man sich bei den Gedanken, dass diese Vorgehensweise bewusst betrieben wird, damit die Freund/Feind-Atmosphäre erhalten bleibt, dass „günstige“ Voraussetzungen hergestellt sind, ordnungspolitisch handeln zu können oder weniger verschwurbelt ausgedrückt: um draufhauen zu können, braucht’s Unzufriedenheit, braucht’s das Klima von Täuschen und Tricksen. Ich fürchte, dass eine Fortsetzung des Themas unausweichlich ist.

Das Theaterhaus beginnt im Januar sein Programm mit „Lucky Seven“.Ein symbolischer Beginn, denn gerade unsere Tanzcompany genießt mehr und mehr Anerkennung in der internationalen Tanzszene. Read more…

13.11.2011

Schretzmeiers Vorwort 12//2011

LIEBES PUBLIKUM

Das Jahr 2011 ist das an Auszeichnungen erfolgreichste in unserer Geschichte. Anfang des Jahres wurde unser Tanzcompany-Chef Eric Gauthier, und der Company-Coach Egon Madsen, jeweils mit dem Deutschen Tanzpreis 2011, ausgezeichnet. In nur 4 Jahren seit Bestehen unserer Tanzcompany, die den Namen ihres Leiters trägt, „Gauthier Dance“, ist dank der Kompetenz von Eric Gauthier eine national und international erfolgreiche Company entstanden. Und nun wurde noch am 5. November 2011 dem Choreographen Christian Spuck der wertvollste deutsche Theaterpreis „Der Faust“ für die Theaterhaus-Produktion Poppea//Poppea überreicht. Eine große Auszeichnung für Christian Spuck persönlich, für unsere Tanzcompany und dessen Leiter, für das ganze Theaterhaus als Produktionsort. In seiner Dankesrede sprach Christian Spuck auch den Mut der Theaterhaus-Verantwortlichen an, 2007 ohne zusätzliche öffentliche Gelder, das Risiko eine Tanzsparte zu gründen, eingegangen zu sein. Er sei glücklich, dass sein Preis auch diejenigen auszeichnet, die in den Tanz investieren, ohne erst mal zu wissen, wie das Unternehmen endet. Wir bedanken uns bei Christian Spuck, wir gratulieren ihm herzlichst und wünschen ihm viel Erfolg bei seiner neuen Tätigkeit als Ballettchef in Zürich. Die beiden von Spuck für das Theaterhaus erstellten Choreographien, „Poppea//Poppea“ und „Don Q.“ sind im Dezember und Januar zu sehen.

Im Dezember gibt es eine neue Schauspielproduktion anzukündigen. Ein Solostück für Katja Schmidt-Oehm, in der Regie von Alvaro Solar: „Mondscheintarif“ von Ildikó von Kürthy. Read more…

09.10.2011

Schretzmeiers Vorwort 11//2011

LIEBES PUBLIKUM

Frohe, entspannte Zeiten sehen anders aus. Die Schuldenkrise in Europa droht immer mehr Banken in den Abgrund zu ziehen. Weil EU und Bundesregierung nun auch laut darüber nachdenken, Griechenland pleitegehen zu lassen, droht eine Wiederholung der Finanzkrise von 2008. Und was diese Krise anrichtete, wissen wir alle zu genau. Und die Kulturschaffenden im Besonderen. Das Misstrauen wächst und wächst, weil unklar ist, wie stark einzelne Banken von möglichen Staatspleiten im Euroraum betroffen wären. Nur eines ist und bleibt klar, der Steuerzahler egal ob aus Deutschland, Frankreich, Österreich oder Holland (das niederländische Parlament stimmte für die Bereitstellung von 44 Milliarden Euro am europäischen Rettungsfond), wird wieder mal die Hauptlast tragen müssen, darunter viele Millionen Menschen, die jetzt schon unverhältnismäßig hoch mit Abgaben belastet sind, die sogenannte Mittelschicht, von denjenigen die darunter liegen, ganz zu schweigen. Read more…

11.09.2011

SCHRETZMEIERS VORWORT 10//2011

LIEBES PUBLIKUM

Das letzte Vierteljahr bricht an. Wir sind gut über den Sommer gekommen. Trotz Ferienzeit konnten wir im August bei allen 27 Programmpunkten eine Auslastung von 92% erzielen. Das Theaterhaus bleibt weiterhin attraktiv und freut sich über die Nominierung unserer Tanzproduktion POPPEA//POPPEA zum deutschen Theaterpreis FAUST in der Kategorie „Beste Choreographie“. Christian Spuck der dafür verantwortlich ist und das Theaterhaus Tanzensemble Gauthier Dance sind erwartungsfroh, was der 5. November, der Tag der Preisverleihung, bringen wird. Die Company und ihr Leiter Eric Gauthier erhielten darüber hinaus bei der Journalistenumfrage des Fachmagazins „Die Deutsche Bühne“ mehrere Nennungen als „herausragender Beitrag zur aktuellen Entwicklung des Tanzes“. Der Theaterkritiker Manfred Jahnke stellt fest: „Humor, choreographische Intelligenz und die Beherrschung des klassischen Tanzes sowie Modern Dance können zusammen gehen, das beweist Eric Gauthier in jeder seiner Choreographien“.

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17.07.2011

SCHRETZMEIERS VORWORT 08/09//2011

LIEBES PUBLIKUM

Das Wort „Milliarde“ ist das „Zahlwort“ für die Zahl 1.000.000.000. Eine Milliarde ist gleich 1000 Millionen. Diese Tatsache sollte uns allen immer bewusst sein, wenn so locker und flockig über 4,5 Milliarden Euro im Zusammenhang mit Stuttgart 21 geredet bzw. geschrieben wird. Und wenn es schnell mal 1.000.000.000 mehr werden, dann sind wir bei 5.500.000.000 Euro. Und das ganze auf dem Rücken der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Das Wort „Milliarde“ ist seit der Bankenkrise 2008/2009 ein Inflationswort geworden, das uns in der Zwischenzeit im Radio stündlich um die Ohren schwirrt. Wir stumpfen ab, wir gewöhnen uns an diese ungeheuerlichen Zahlen. Ist aber kein Wunder, denn laut „Spiegel-Online“ musste allein die Landesbank Baden-Württemberg bis Dezember 2009 Forderungen kurzfristiger Geldgeber in Höhe von rund 100 Milliarden Euro refinanzieren – zum Vergleich: Bei der Hypo Real Estate sind es gerade mal 35 Milliarden Euro. Griechenland, Spanien, Portugal, Irland, Rettungspakete mit Hunderte von Milliarden sind unsere tägliche Zeitungslektüre. Was sind da 4,5 oder 5,5 oder 7,5 Milliarden für einen Bahnhof? Wir beginnen jede Form von Verhältnismäßigkeit zu verlieren! Die angesprochenen EU-Länder haben dies praktiziert, das Ergebnis wird uns allen noch viele Sorgen bereiten. Und in Deutschland scheint man auf dem Weg zu sein, diese Katastrophen zu importieren. Und im Kleinen (siehe Stuttgart 21), fängt es an.

Liebes Publikum, das Doppelprogramm August/September enthält viele goldene Momente, enthält viele wunderbare und vergnügliche Ereignisse.

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13.06.2011

SCHRETZMEIERS VORWORT 07//2011

LIEBES PUBLIKUM

Am 5. Mai 2011 erschien in der Stuttgarter Zeitung eine unscheinbare Meldung von dpa: „Seit mehr als 5 Monaten ist Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke gesperrt – Ende nicht absehbar. Mehrfach musste die Bahn die angekündigte Wiedereröffnung der Müngstener Brücke im Bergischen Land verschieben. Der jüngste Grund ist besonders ungewöhnlich: Die Bahn hat vergessen, das Gewicht der Passagiere zu berechnen! Im Antrag an das Eisenbahnbundesamt wurde das Leergewicht eines Zuges zugrunde gelegt. Im November 2010 hatte die Bahn die Brücke gesperrt – wegen „Sanierungsarbeiten“. Wann wieder Personenzüge über die Brücke rollen dürfen, ist offen.“ Bei so einer Meldung kommt man ins Grübeln. Und die Bedenken hören nicht auf. Am 1.6.2011 erschien in der 23. Ausgabe der Zeitschrift STERN ein von Arno Luik geschriebener Artikel mit der Überschrift „Wir können alles – außer Bahnhof“.

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10.04.2011

SCHRETZMEIERS VORWORT 05//2011

LIEBES PUBLIKUM,

Der Umgangston der Stuttgart 21-Befürworter wird wieder rauer. Die Drohgebärden nehmen zu. Grube – der Bahnchef – droht mit Milliardenbeträgen als Rückforderung, wenn die Milliardengrube nicht gebaut wird. Angst vor dem endgültigen K.O.? Wenn man der Zeitschrift „Stern“ glauben schenken will, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis das Stuttgart 21-Kartenhaus zusammenbricht. Die „bel-étage“ der SPD beharrt weiterhin auf die Verwirklichung von Stuttgart 21, auf die Unverhältnismäßigkeit von Geldvernichtung und das mit dem schlechtesten Wahlergebnis ihrer zweifellos verdienstvollen Geschichte. Bloß nicht nachgeben, egal was es kostet. Die Chance sich neu zu positionieren, schon vertan. Der Protest gegen das Projekt wird weitergehen und das ist richtig, denn auch nach der Wahl bleibt es wie davor, die Kosten werden viel höher sein, wie die jetzt schon unverantwortlichen 4,5 Milliarden. Jeder weiß es, ob Gegner, ob Befürworter. Weil es so ist, hilft nur eines: Weiterhin Widerstand leisten – friedlich, phantasievoll und mit dieser Beharrlichkeit, die Stuttgart in der Zwischenzeit weltweit zum Symbol von bürgerschaftlichem friedlichen Ungehorsam gemacht hat. Die Befürworter von K21, haben diese Stadt zu einer der auch international attraktivsten gemacht. Selbst die Gegner von K21 können sich in diesem neuen Glanz sonnen. Die Hauptstadt des kritischen Bewusstseins ist die erste Großstadt Europas mit einer grünen Mehrheit. Das ist ein Aspekt der K21-Bewegung. Wie sehen die nächsten aus? Auf jeden Fall, es bleibt spannend in dieser Stadt. Schön für sämtliche Stuttgarterinnen und Stuttgarter, denn Vitalität kann Kreativität erzeugen, eine Basis, die eine Stadt unverwechselbar macht. Da uns das Thema noch längere Zeit begleiten wird, noch einige Anmerkungen zum aktuellen Programm des Theaterhauses: Read more…

13.03.2011

SCHRETZMEIERS VORWORT 4//2011

LIEBES PUBLIKUM,

Würde man das ganze Geld, das in das Wahnsinnsprojekt S21 gebuddelt werden soll, der Förderung von erneuerbarer Energie – Sonne, Wind, Wasser – zugute kommen lassen und nicht, wie die Bundesregierung es getan hat, streichen, die Atomkraft wäre mittelfristig ersetzbar. Insofern gibt es eine direkte Linie zwischen dem Ereignis, das uns augenblicklich so schmerzhaft die Augen öffnet und dem Milliardengrab Stuttgart 21. Diese Zeilen werden am 13.3. geschrieben, die Nachrichten aus Japan geben scheibchenweise Einblick in die wahren Ereignisse und deren Auswirkungen. Sukzessive wird einem klar, was für Dimensionen dieses Erdbeben und die Folgen daraus, annehmen wird.Die Naturkatastrophe allein ist schon Apokalypse genug, jetzt noch die Gefahr eines Atomunfalls im Tschernobyl-Ausmaß.

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16.01.2011

SCHRETZMEIERS VORWORT//Feb 2011

LIEBES PUBLIKUM,

Und schon ist der erste Monat des neuen Jahrzehnts vorbei. Schwuppdiwupp! Trotzdem – noch einen Blick zurück: Das Jahr 2010 brachte tatsächlich einen neuen Besucherrekord in der 25-jährigen Geschichte des Theaterhauses!! Es wurden 310.000!! Wir freuen uns. Wir bedanken uns bei Ihnen, liebes Publikum.

Wir haben also gemeinsam dem Fußballboom die Stirn gezeigt, wir haben die nicht wenigen e-mails und Briefe, die sich böse über das Dagegen-Engagement einiger verantwortlichen Personen des Hauses in Sachen Stuttgart 21 geäußert haben („…wir sind nicht länger bereit, den linken, unsachlichen Kampf des Theaterhauses gegen Stuttgart 21 zu unterstützen und werden deshalb keine Veranstaltungen mehr besuchen…“), auch ausgleichen können. Wir wissen, dass nicht nur innerhalb unserer Belegschaft einige wenige für Stuttgart 21 sind, auch unser Publikum besteht aus den drei Meinungen in dieser Frage: Dagegen, dafür, ist mir wurscht! Niemand wird im Haus agitiert, jeder soll sich seine Meinung selbst bilden, keiner ist ausgeschlossen, jeder und jede ist willkommen!!

Aber zurück zum Programm: Der Monat beginnt mit drei Poppea//Poppea-Vorstellungen unseres Tanzensembles. Sie sollten sich einen Besuch nicht entgehen lassen, zumal Poppea//Poppea erst wieder später im Jahr auf dem Spielplan ist. Und eine Woche später gibt es die Möglichkeit die beiden Tanzpreisträger Egon Madsen und Eric Gauthier in ihrer außergewöhnlichen und überall mit viel Beifall aufgenommenen Produktion Don Q. zu sehen. Der 10.2. ist ausverkauft, für die Zusatzveranstaltung am 11.2. sind noch Karten zu haben. Sie sollten nicht zu lange warten.

Die Produktion Männerabend mit den beiden Erzkomödianten Martin Luding und Roland Baisch wird zum 5-jährigen Jubiläum für einen Tag  in die Halle T4 zurückkehren, dort wo der Erfolgsweg dieses Stückes begonnen hat. Am 6.2.2006 war Premiere, am 6.2.2011 wird das Jubiläum gefeiert und die 181. Vorstellung stattfinden. Für dieses Ereignis heißt es ganz, ganz schnell Karten besorgen, da in Halle T4 gerade mal 115 Plätze sind. Aber sollte es für diesen Tag nicht reichen, am 26.2. ist der Männerabend wieder in der Halle T2 zu sehen.

Im Februar, wie jedes Jahr, das hochkarätige Musikfestival ECLAT von unserem Mitbewohner Musik der Jahrhunderte. Neue Musik, ein wunderbarer Kontrapunkt zu unserem Programmangebot. Für Sie, liebes Publikum, endlich die Gelegenheit sich dieser hochinteressanten Kunstsparte anzunehmen.

Sollten Sie bis jetzt keine Zeit für unseren Produktionspartner Familie Flöz gehabt haben, am 18. + 19.2. gibt es drei Vorstellungen von Infinitá (mehr auf S. 21). Ich verspreche es Ihnen, Sie werden anschließend alle Stücke der Familie Flöz sehen wollen. Und das können Sie im Theaterhaus erleben.

Die neueste Schauspielproduktion des Hauses Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner wird Ende Februar wieder im Angebot sein (siehe S. 9). Es macht beiden Seiten große Freude, dem Schauspielensemble und dem Publikum. Also, come on and see! Tausend Dank. Und im Dezember 2010, da startete Benefiz, kam bereits die schöne Spendensumme von 2400,- Euro zusammen, die in der Zwischenzeit auf dem Weg nach Guinea-Bissau ist. Wir halten Sie über diese Aktion auf dem Laufenden. Jeden Monat an dieser Stelle.

Abschließend noch einen Gedanken zur immer aktuellen Diskussion um die Finanzierung von Kunst und Kultur: Einerseits ist es erfreulich, dass die Politik der Stadt und des Landes 100 Millionen Euro in das Stuttgarter Staatstheater investiert. Andererseits ist es komplett unverständlich dass im Angesicht einer solch horrenden Summe, noch keine Initiative aus der Kulturpolitik ergriffen wurde, die 2009 vollzogene Finanzkürzung bei zahlreichen Kultureinrichtungen, ein Betrag von knapp 4 Millionen Euro, wieder rückgängig zu machen, den arg gebeutelten Kulturschaffenden wieder ihre frühere Situation zurück zu geben, die, wenn man es genau betrachtet, schon vor der Kürzung nicht rosig war und nach der Kürzung teilweise katastrophal wurde. 4 Millionen sind 4% der Summe fürs Staatstheater. Auch hier sollte die Verhältnismäßigkeit im Zentrum politischen Handelns stehen! Ich bitte um die Einsicht der kulturpolitisch Verantwortlichen. Selbst wenn dieses vollzogen würde bleibt der Abstand zwischen dem Staatstheater und dem Rest der Stuttgarter Kulturwelt fein säuberlich gewahrt. Also keine Angst, das Oben bleibt, das Unten bleibt. Sind deshalb so viele von Unten für die Parole „Oben bleiben“ ?? Möglich, möglich. Wobei wir wieder beim Thema Nr.1 wären. Das muß aber für heute genügen.

Bleiben Sie uns gewogen

Herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier

13.12.2010

SCHRETZMEIERS VORWORT Jan//2011

LIEBES PUBLIKUM,

Neues Jahr, neues Glück, neue Erkenntnisse und neue politische Konstellationen? Wir wissen es nicht. Ein spannendes Jahr steht uns allemal bevor. Und ein ereignisreiches liegt hinter uns. Gekrönt von der Auszeichnung mit dem Deutschen Tanzpreis 2011 für Egon Madsen, unserem Company-Coach von Gauthier Dance und dem Deutschen Tanzpreis Kategorie „Zukunft“ für den Company-Leiter Eric Gauthier. Ein stolzes Ergebnis, eine Bestätigung für das choreographische Talent von Eric Gauthier und seiner mit viel Potenzial ausgestatteten Tanz-Company.

Diese Company weiterzuentwickeln ist nun unsere Aufgabe. Das wird nicht ohne die Hilfe der öffentlichen Hand möglich sein, da Weiterentwicklung immer auch mit Investition zu tun hat. Die Nachfrage nach dem Theaterhaus-Tanzensemble steigt. Die Anforderungen werden höher. Die Personaldecke ist gefährlich knapp, da die acht Tänzerinnen und Tänzer permanent gefordert sind. Ein Ausfall wegen Krankheit und schon sind keine Vorstellungen mehr möglich. Diese Tatsache darf nicht verdrängt werden. Das was das Theaterhaus finanzieren kann ist der momentane Stand. Alles was jetzt finanziell dazu kommen muss, ist nicht mehr aus dem Gesamtprogramm herauszupressen. Die nächsten Wochen werden zeigen ob Finanzhilfe realisierbar wird, denn ein Stillstand bei dieser so hoffnungsvollen Company wäre mit dem langsamen Ableben eines viel versprechenden Tanzprojektes gleichzusetzen. Schon einmal, es sind nun 15 Jahre her und Ismael Ivo war unser tänzerisches Aushängeschild, wurde ein hoffnungsvolles Theaterhaus-Tanzprojekt für und in Stuttgart von der Kulturpolitik falsch eingestuft. Wiederholt sich nun dieser Vorgang?

Zugegeben, damals hatten wir nicht mal Geld für die Basisfinanzierung einer Company, heute ist es anders, heute fehlt das nötige Kapital für eine unumgängliche Weiterentwicklung. Oder sollen wir vermuten, dass doch etwas dran ist an der Behauptung, das Theaterhaus ist zu widerständig, das Theaterhaus sollte sich gefälligst aus politischen Statements heraushalten. Dann darf ich an dieser Stelle auch nicht die Frage aufwerfen, warum Menschen wie der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, oder der Vorstandschef der BASF, und viele andere Unternehmer mehr, alles verantwortungsvolle intelligente, weitsichtige Entscheidungsträger der deutschen Wirtschaft, so kritiklos, so blauäugig dem Bahnprojekt Stuttgart 21 hinterherlaufen, das doch, spätestens seit dem Schlichtungsverfahren allen geläufig, ein schlampiges, ein ans dilettantische grenzendes Projekt ist. Diese Männer müssten doch die Ersten sein, die sich solchen handwerklich fehlerhaften Planungen entgegenstellen. Was geschieht mit Mitarbeitern in ihren Betrieben, die sich solche Schnitzer, wie die Deutsche Bahn es sich erlaubt, leisten? Da wäre doch Feuer unter dem Dach. Und bei Stuttgart 21? Sie vergessen da all ihre Prinzipien, ihren Qualitätsanspruch, ihren Wert auf kostenbewussten Umgang mit dem Geld. Wo ist der Aufschrei vom IHK-Ehrenpräsidenten Leibinger, der sich verbittet, für so ein miserabel kalkuliertes Projekt seinen Namen herzugeben? Das darf doch mal nachgefragt werden!

Zurück zum Programm und seinen wunderbaren Künstlerinnen und Künstlern. Nachdem traditionell am 1. Januar das Haus geschlossen bleibt, geht das Programm am 5.1. mit einem kabarettistischen Jahresrückblick ins neue Jahr. Florian Schroeder und Volkmar Staub schauen nochmals auf 2010. Am gleichen Tag beginnt die 2. Vorstellungsstaffel von „Out of the Box II“ mit den beiden Preisträgern des Deutschen Tanzpreises 2011. Ein Wiedersehen mit „Dirty Dishes“ rundet diesen Auftakt ins Jahr 2011 bestens ab.

Beachten Sie bitte den Sonntag 16.1.: Zwei Premieren sind an diesem Tag. Vormittags das Kinderstück „Lümmel“ mit dem wunderbaren Schauspieler Willi Schneck und am Abend stellt Christoph Sonntag sein neues Programm „AZNZ – Alte Zeiten Neue Zeiten“ vor. Wir sind gespannt auf diesen neuen Sonntag, der sinnigerweise am Sonntag Premiere hat. Und dann können Sie im Januar den vom Publikum und der Presse hochgelobten neuen Kästner-Abend mit Walter Sittler erleben.

Und jetzt schon vormerken bzw. Karten besorgen: Am 10.2. wird nochmals „Don Q.“ gezeigt, die Produktion, die von den beiden Tanzpreisgewinnern Egon Madsen und Eric Gauthier bestritten wird. Abschließend sei Ihnen noch die neue Schauspielproduktion „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ ans Herz gelegt. Die Reaktionen des Publikums und der Fachpresse jedenfalls sind so erfreulich, dass durchaus von einem gelungenen Auftakt gesprochen werden kann.

Und alles andere liegt, wie in den allermeisten Fällen, in Ihren Händen, liebes Publikum. Da vertrauen wir Ihnen voll und ganz.


In diesem Sinne herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier