SCHRETZMEIERS VORWORT FEBRUAR 2016

Liebes Publikum!

Wem nützt die Silvesternacht von Köln und wem schadet sie? Betrachtet man diese beide Fragen, beginnt fast automatisch die Instrumentalisierung des Vorgangs. Und diese Automatik zeigt, wie sehr es einer inhaltlichen Auseinandersetzung in unserem Land braucht, die von der Politik, mindestens bis jetzt, unisono nicht betrieben wird. Sofort wird von jeder politischen Farbe her, eindimensional, parteibeengt und besserwisserisch argumentiert. Jeder weiß eigentlich genau, dass in diesen Fragen ein verweisen auf „das ist richtig“, „das ist falsch“ großer Humbug ist, viel zu komplex ist die gesamte Thematik, schließlich geht es um das zukünftige Zusammenleben in einer sich immer schneller bewegenden Welt. Dieser fehlende Diskurs spielt denen ins Feld, die mit simplen Äußerungen verantwortungslos mit menschlichen Schicksalen jonglieren. Darüber hinaus wird die Arbeit der vielen Tausend freiwilligen Helfer und Helferinnen, die den Integrationsgedanken täglich in hervorragender Weise vorleben, diskriminiert und lächerlich gemacht. Wer hat Interesse an einer gesellschaftlichen Spaltung bzw. an einem Generalverdacht gegenüber jedem der „fremd“ erscheint. Wollen wir ungarische, wollen wir polnische Zustände? Die Diskussion, was jede und jeder unter Demokratie versteht, muss geführt werden, in aller Offenheit, in aller Widersprüchlichkeit. Das Theaterhaus will dazu einen kleinen Beitrag leisten: Das Haus plant momentan für das kommende Frühjahr eine Veranstaltungsreihe mit dem Arbeitstitel „Flüchtlingsgespräche“. Womit wir beim programmatischen Teil des Hauses wären.

Zwei wunderbare, langjährige Schauspielproduktionen werden im Februar letztmalig gezeigt: „Der Gott des Gemetzels“ wird nach fünf Jahren Laufzeit in den Ruhestand gehen und die Produktion „Die zwölf Geschworenen“ wird kräftig renoviert und eventuell in der nächsten Spielzeit wieder im Spielplan auftauchen. Warten wir es ab.

Beide Produktionen haben große Freude bereitet, beim Realisieren, beim Spielen vor vielen Tausend Menschen. Den daran beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler mein/unser bester und herzlichster Dank. Dass die Produktionen so lange und so lustvoll gezeigt werden konnten, ist neben der Regie und der Ausstattung, das wesentliche Verdienst der Darstellerinnen und Darsteller.

Bitte beachten Sie besonders den Auftakt des Monats! Jährlich wiederkehrend, das Festival Neue Musik Stuttgart mit dem wunderbaren doppeldeutigen Titel „Eclat“. Dieses Festival bietet das Beste aus der Kunstgattung Neue Musik/Contemporary Music. Bei diesem Festival können Sie auf höchstem Niveau die Welt der neuen Klänge entdecken.

Und wenig später, am 10.2. bittet Peter Grohmann, der am 21.1. mit der Staufer-Medaille in Gold, der persönlichen Auszeichnung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten, geehrt wurde, zu seinem traditionellen Politischen Aschermittwoch. Levittenlesen und musikalische Beiträge werden, wie jedes Jahr, große Freude bereiten.

Ein Jubiläum steht ebenfalle ins Haus: Am 3.2.2006 begann der Siegeszug der Comedy-Produktion „Männerabend“, von und mit Martin Luding und Roland Baisch. Am 13.2.2016 wird zum 10-jährigen, die Jubiläumsvorstellung gezeigt. Rund 240 mal gingen die Scheinwerfer über diese Produktion an. Ein großer Erfolg, der weiterhin im Programm bleibt. Gratulation den beiden Darstellern. Meine/unsere Verneigung vor ihnen. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Martin Luding mit Männerabend und Caveman zusammen, im Augenblick auf 996 Vorstellungen seit 2002 kommt. Zählt man noch sein Soloprogramm Auf und Davon dazu, sind es 1050 Vorstellungen, allein mit Martin Luding. Chapeau, lieber Martin!

Mit dieser Freude machenden Nachricht, die ohne die Mitwirkung von Ihnen, liebes Publikum nicht möglich wäre, möchte ich Ihnen ein herzliches „Auf Wiedersehen im Theaterhaus“ zurufen.

Ihr Werner Schretzmeier