Schretzmeiers Vorwort Juli 2015

Liebes Publikum!

Die erste Hälfte des Monats steht noch im Zeichen des Tanzfestivals COLOURS, das der Ballett- und Tanzstadt Stuttgart ganz sicher weitere Impulse geben wird. Dieses Festival wird neugierig machen, auf das Nächste, auf Unbekanntes, auf Fremdes. Tugenden die uns stark machen und gleichzeitig die Sensibilität fördern. Auch hier wieder – ganzheitliche Kulturvermittlung und Kultur bildet weiter. Zur Vermittlung gehört auch das Erinnern, die Qualität des Vergangenen in Zukunft verwandeln! Am 25. Juli gibt es dafür ein Beispiel: Das Gedenkkonzert für Albert Mangelsdorff, einer der ganz Großen in der Welt des Jazz. Vor 10 Jahren ist uns dieser außergewöhnliche Künstler abhanden gekommen. Hinterlassen hat er viel Inspiration, die von den nachfolgenden Musikern aufgenommen wurde und ins Heute übersetzt wird. Der Jazzposaunist Nils Wogram ist da an vorderster Stelle zu nennen, der mit recht im Jahr 2013 den von der Union Deutscher Jazzmusiker vergebenen Musik-Award, den Albert-Mangelsdorff-Preis überreicht bekam. Nils Wogram wird an diesem Abend mit seinem Trio zu hören sein und – das zeichnet das Konzert besonders aus – mit Wolfgang Dauner zwei Titel des legendären Duos Dauner/Mangelsdorff neu interpretieren. Eben dieser Wolfgang Dauner, der am Ende dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feiert, und in den letzten 25 Jahren von Mangelsdorffs musikalischer Karriere der wichtigste Partner von ihm war. Zwei außergewöhnliche Musiker haben sich gefunden und viele großartige Duo-Auftritte gespielt. Waren beide in den frühen 70er Jahren noch Ensemble-Mitglieder der „German All Stars“, kam mit dem Entstehen des „United Jazz & Rock Ensembles“ auch eine intensivere künstlerische Nähe zwischen Dauner und Mangelsdorff zustande. Wolfgang Dauner wird das Konzert am 25.7. mit einem halbstündigen Solo eröffnen. Der 25.7., dem Todestag von ALBERT, so sein Name beim Publikum, bei den Kollegen, bei allen, die ihn kannten. ALBERT, einer von uns, einer der sein Publikum geschätzt hat, der Freude und Respekt hatte vor 15 oder 1500 Menschen zu spielen. Diesen Respekt haben die Menschen, wo auch immer er auftrat, gespürt und ihn dafür geliebt. Ihm zu gedenken ist uns eine große Ehre.

Liebes Publikum, wir wissen, dass im großen Angebot des Theaterhauses auch mal die eine oder andere Programm-Perle unentdeckt bleibt. Deshalb darf ich Sie auf den 15.7. aufmerksam machen. „Herkunftsgeschichten“ sind die Berichte von Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind und von jungen Autorinnen und Autoren in Form gebracht wurden. Was im April 2015 als Schreibwerkstatt unter dem Titel „Flüchtlingsgeschichten“ begann, ist unter der Anleitung des Autor und Dramaturgen Thomas Richhardt (er ist seit Jahren erfolgreich als Dramaturg des Theaterhaus-Schauspielensembles tätig) zur mitreißenden Auseinandersetzung mit den Themen „Herkunft“ und „Migration“ geworden. Die Lesung dieser Texte aus der Schreibwerkstatt wird mit der Präsentation von Auszügen aus aktuellen Jugendtheaterstücken unterstützt. Dieser Abend ist sehr empfehlenswert!

Und dann noch eine weitere Besonderheit: Am 18.7. fällt der letzte Vorhang für die Theaterhaus-Schauspielproduktion „Mondscheintarif“. Katja Schmidt-Oehm wird zum 75. Mal ihr furioses Solo über eine Frau am Rande der Torschlusspanik zeigen und mit ihrem Gespür für die Komik des Stückes, einen im wahrsten Sinne des Wortes „amüsanten“ Abend präsentieren. Es erwartet Sie beste Unterhaltung!

Und zu guter Letzt noch ein Blick in die kommenden Monate: Im August „The Sound of Classic Motown“ (mehr auf S. 50) Wer die „Sweet Soul Music Revue“ erlebt hat, wird hier vom gleichen Produzenten, eine großartige neue Musikrevue erleben. Das ideale Ereignis für die Sommerzeit!

Am 19.9. freuen wir uns auf eine neue Theaterhaus-Schauspielproduktion. Der Autor von „Die deutsche Ayse“ Tugsal Mogul hat ein neues Stück geschrieben, wichtig, brisant und nicht zu verdrängen, „Auch Deutsche unter den Opfern“ ist der Titel, ein Stück über die NSU-Verbrechen.

Und am 3. Oktober 2015 wird Juliette Gréco „Merci“ sagen, und wir werden ihr dieses „Merci“ zurück geben, denn eine der großartigsten Künstlerinnen Europas und der Welt gibt ihr Abschiedskonzert. Dass sie dem Theaterhaus seit 1993 treu blieb, werden wir ihr nie vergessen! Mit Freude und einer Träne im Knopfloch erwarten wir den 3. Oktober.

Bis dahin gibt es noch viel Schönes im Theaterhaus zu erleben. Bleiben Sie uns gewogen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier