Schretzmeiers Vorwort Nov. 2012

Liebes Publikum

Dieses Vorwort soll ohne politische Kommentare, Hinweise und Fakten auskommen. Das ist der Wunsch so mancher mail die mich erreicht. Dagegen stehen die vielen positiven Meldungen, die genau diese Form erfrischend finden. Gut, die Stuttgarter OB-Wahl lässt sich noch nicht kommentieren, diese Zeilen entstehen am 7.10., Stuttgart 21 wird eine Katastrophe, ob man dafür oder dagegen ist. Durchgehend positive Nachrichten kommen dagegen von den Stuttgarter Kulturschaffenden, die trotz erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, dieser Stadt Glanz und Vitalität verleihen. Kein Ranking, keine vergleichende Erhebung, die dem nationalen Leistungsstand den Puls fühlt, kommt ohne den Verweis auf die reichhaltige, lebendige, kreative Kulturszene dieser Stadt aus. Nur, dass einer der politisch verantwortlichen Kommunalpolitiker dies als Auftrag versteht weiter in dieses kreative Feld zu investieren, das kann nicht festgestellt werden. Stuttgart als Kulturstadt zu vermarkten, da ist man noch meilenweit entfernt. Und der Hinweis, dass die Stadt doch über 40 Millionen jährlich in das Staatstheater steckt – die gleiche Summe kommt vom Land noch dazu – beschreibt das Absurde dieses Komplexes äußerst treffend. Es fehlt die Verhältnismäßigkeit!! Während viele mit wenig auskommen müssen, bekommen ganz wenige sehr, sehr viel. Nun höre ich schon die ersten sagen, das sei doch eine Neiddebatte. Überhaupt nicht, das ist Realität. Diese zu problematisieren, gehört zur Kultur des kritischen Dialogs, der sich an Tatsachen orientiert. Die heilige Kuh der Unveränderbarkeit von Steuermittelverteilung, gehört ganz schnell geschlachtet. Es geht nicht um „alle sollen gleich sein und keiner darf mehr haben“, es geht um eine sensiblere Handhabung in der Bezuschussung von professioneller Kultur. Die Politik ist sich mehrheitlich einig, dass es nicht angehen kann, dass zehn Prozent der Bevölkerung mehr besitzen als die restlichen 90%. Soll der Kultur- bzw. Kunstbereich bald ähnliche Dimensionen annehmen? Wenn Kultur als Diskussionsstoff nur fürs positive Image herhalten soll, dann ist es an der Zeit den gesellschaftlichen Wert, der immer auch ein ökonomischer ist, vehement in die öffentliche Diskussion zu rücken. Eine Kulturstadt wäre auch immer eine erfolgreiche Stadt, denn Vitalität, Kreativität, Toleranz und kulturelle Vielfalt sind Voraussetzung für das was alle Menschen verdienen: eine gute nachhaltige Lebensqualität.

Wir wollen ein ganz klein wenig dazu beitragen. Zum Beispiel mit unseren Schauspielproduktionen „Der Gott des Gemetzels“, am 1. und 2. November. Oder mit „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ einen Tag später, am 3.11.. Dann stellt Karl Dall sein erstes Theatersolo „Der Opa“ vor und unsere Tanzcompany Gauthier Dance präsentiert „Poppea//Poppea“ im letzten Jahr mit dem begehrten Theaterpreis „Faust“ ausgezeichnet, Deutschlands wichtigster Theatertrophäe. Für die JazzliebhaberInnen wird das Orchester Jazz@Large und Jessica Gall den November versüßen, mit all den großen Talenten sicher ein Genuss. Ein Wiedersehen gibt es mit Erwin Pelzig, der nach längerer Zeit wieder live zu erleben ist und nicht nur via TV sein Publikum begeistert. Alfons, auch er zwischenzeitlich ein fester Bestandteil des deutschen Fernsehens, wird am 16.11. unser Gast sein und gespannt darf man auf die Wiedervereinigung des legendären Schwabenoffensive-Trios sein, die in den späten 80er Jahren für viele ausverkaufte Abende im Theaterhaus sorgten. Musikalisch ist der November, neben den Jazz-Abenden, hervorragend aufgestellt: Das Orquesta Buena Vista Social Club, die Dubliners, Leo Kottke, Quadro Nuevo, Bloc Party, Angelo Branduardi, Kris Kristofferson und den Puhdys. Eine Vielfalt die Freude macht.

Stolz sind wir die „Friedensgala“ im Theaterhaus zu haben und Vorfreude kommt auf, wenn man den 21.11. betrachtet: „The Ukulele Orchestra of Great Britain“. Das ist das Original!

Abschließend möchte ich Ihnen den 28.11. ganz besonders ans Herz legen. Erstmals ist das Theaterhaus Hauptschauplatz eines Romans. Der Autor Michael Moritz, der außerdem noch Schauspieler, Fußballartist und Leiter des Schauspiels am Wiener Konservatorium ist und im Theaterhaus mit seinem Theatersolo „Bruno, Freddy, Bolle“ zu sehen war, stellt seinen neuesten Kriminalroman vor. Dieses Ereignis sollten Sie sich nicht entgehen lassen! All diese wunderbaren Programmperlen im November warten auf Sie.

Wir freuen uns über Ihren Besuch.

Herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier