15.07.2012
SCHRETZMEIERS VORWORT 08/09//2012
Liebes Publikum
Verrückte Welt: in Dresden soll eine Straße nach der vor 3 Jahren im Gerichtssaal ermordeten Marwa El-Sherbini benannt werden und die Dresdner CDU und FDP wollen das verhindern, schmeicheln damit, ob sie es wollen oder nicht, den Neonazis der NPD. Der CDU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier meinen nach der Niederlage der deutschen Fußballer im EM-Halbfinale: „Es ist beschämend, dass nicht alle Spieler unsere Nationalhymne mitsingen“. Für sie steht fest: Deutschland hat verloren, weil einige Spieler (die mit Migrationshintergrund) nicht mitgesungen haben. Fußball-Europameister wurde Spanien. Da singt überhaupt kein Spieler. Die spanische Hymne hat keinen Text. Und last but not least: Ingo Zamperoni, ARD-Tagesthemensprecher und Sohn eines deutsch-italienischen Paares schloss seine Moderation in der Halbzeitpause des EM-Spiels Deutschland gegen Italien mit einem persönlichen Statement: „Beenden möchte ich diese Tagesthemen mit Worten des italienischen Dichterfürsten Dante: Das Gesicht verrät die Stimmung des Herzens. Ich weiß nicht was Ihnen mein Gesicht verrät, aber seien sie versichert, dass ich innerlich sehr zerrissen bin. In diesem Sinne: Möge der Bessere gewinnen.“ Es war damit klar, es wird ein lachendes und ein weinendes Auge geben. Mit diesem Auftritt haben Zamperoni und die ARD auf wirklich schöne Art und Weise das Einwanderungsland Deutschland von seiner besten Seite gezeigt. Und was machen die deutschen Fernsehzuschauer? Hass, Hass, Hass! Wäschekörbeweise Protestmails und –anrufe gingen bei der ARD-Chefredaktion ein, die den Auftritt Zamperonis als Unverschämtheit empfanden. „Man sollte Zamperoni ermahnen, dass er im deutschen Fernsehen tätig ist.“ Wenn Khedira ein Tor schießt, wird gejubelt, wenn Zamperoni lächelt, heißt es Hochverrat. Verrückte Welt auch in Stuttgart: Der Filderdialog zu Stuttgart 21 ist eine Farce, weil der Dialog nur Dialog ist, wenn nach der Pfeife der Bundesbahn getanzt wird. Mitten in Stuttgart wird einfach ein Park abgeholzt, weil die Bundesbahn es will. Jetzt stellt man fest, dass es Schwierigkeiten mit dem Grundwassermanagement gibt, Ergebnis noch vollkommen offen, aber der Park ist nachhaltig beschädigt. Das Missmanagement der Bahn hält an, Transparenz gibt es nicht, das Projekt ist und bleibt eine politische Unverschämtheit ersten Grades. Es ist nicht ärgerlich, es ist ein Skandal, der sich immer weiter ausbreitet. Der Protest dagegen muss und wird wieder zunehmen. Es gibt keinen Grund wort- und tatenlos diesen Zustand zu ertragen, zumal, wie die Stuttgarter Zeitung am 28.6. kommentierte, es „höchste Zeit ist, dass die Stuttgart 21-Partner sich im Spitzengremium des Lenkungskreises an den Tisch setzen und Tacheles reden. Da sind insbesondere der grüne Ministerpräsident und der schwarze Oberbürgermeister gefordert. Dies allein auch deshalb um klarzustellen, dass der Steuerzahler am Ende nicht für höhere Kosten haftbar gemacht werden kann, sollten diese durch eine unzulängliche Planung der Bahn verursacht werden.“ Der Steuerzahler an dem man sich schadlos halten kann. Wann sagt der Steuerzahler „jetzt ist Schluss?“ Die Vertreter der Steuerzahler, die Politiker, sind ganz offensichtlich nicht fähig dazu.
Liebes Publikum, das vorliegende Monatsprogramm ist von der Gestaltung her an einigen Stellen verändert worden, dank Ihrer Rückmeldung zur Neugestaltung dieses Heftes. Wir werden weiter daran arbeiten und Schritt für Schritt Ihre Tipps und Ratschläge berücksichtigen.
Bitte beachten Sie das sechswöchige Gastspiel von Wommy Wonder und seinen Gästen. Sie werden die Halle T1 nicht wiedererkennen. Eine Clubatmosphäre erwartet Sie. An Tischen sitzend, mit einem leckeren Getränk vor sich und leckeren Künstlern auf der Bühne. Pure Unterhaltung. Sommerzeit. Entspannung und ein bisschen Trash. Das muss schon sein.
Wir freuen uns auf das 3. Stuttgarter Flamencofestival, wieder gestaltet von der Flamenco-Expertin Catarina Mora, die für großartige Ereignisse dieses Genres bekannt ist.
Wir ziehen den Hut vor Martin Luding, der am 7.8. sein zehnjähriges Caveman-Jubiläum feiert. Eine phantastische Leistung. Und am 3. + 12.8. präsentiert Luding sein erstes eigenes Comedy-Programm „Auf und Davon“. Die ersten Vorstellungen waren ein großer Erfolg. Da entsteht offensichtlich ein neuer Programmknüller im Theaterhaus. Wir wünschen es Ihnen, wir wünschen es uns, wir wünschen es Martin Luding. Wer 666 Vorstellungen von „Caveman“ schafft, dabei 430.000 Zuschauer begeistert, dem darf ein dreifaches „Lang soll er leben“ gesungen werden.
In diesem Sinne, herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier












