18.06.2010
Vorwort Juli 2010
Liebes Publikum
Wir haben Dank zu sagen. Dank an eine Person die vor wenigen Tagen gestorben ist und das Theaterhaus seit 1987 im wahrsten Sinne des Wortes „sauber “ gehalten hat. Ich verneige mich vor EVGA STOJANOVA, die all die kleinen Ferkeleien die uns allen tagtäglich passieren, stetig weggeputzt hat um am nächsten Tag das gleiche zu machen und das 365 mal im Jahr. Anfang der 90er Jahre wollte sie selbstständig werden, weg von der fest angestellten Reinigungskraft hin zur Unternehmerin. Ihre Söhne wurden ihr Rückhalt, aber Evga war weiterhin täglich im Einsatz. Nach dem Grundsatz „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ vergrößerte sie ihren Stern-Gebäude-Service.
Nachlässigkeit konnte sie nicht ausstehen und darüber hinaus war sie auch eine energische Kommunikatorin. Dass wir in 23 Jahren keine andere Reinigungsfirma beauftragen wollten, ist Ausdruck unserer großen Zufriedenheit mit der Qualität von Evgas Firma. Ihr Sohn Kiro wird weitermachen. Auch sein Level liegt hoch. Wir gedenken Evga Stojanova, dieser herzlichen, kommunikationsfreudigen und gewissenhaften Frau.
Wir gedenken auch der Autorin, Schauspielerin und Mitbegründerin des Theaterkollektivs „Rote Grütze“ Berlin, HELMA FEHRMANN, die ebenfalls vor wenigen Tagen verstorben ist. Die Theaterklassiker „Darüber spricht man nicht“, „Was heißt hier Liebe?“, „Mensch ich lieb Dich doch“ oder „Gewalt im Spiel“, hat sie mitentwickelt, geschrieben, gespielt und inszeniert. Das Theaterhaus spielt seit 20 Jahren die Produktion „Was heißt hier Liebe?“.
Immer noch und immer wieder begeistert dieses Stück junge Menschen, die allermeisten bei ihrem allerersten Theaterbesuch. Jede Vorstellung ist auch eine Verneigung vor Helma Fehrmann, sie hat dem deutschsprachigen Kinder- und Jugendtheater eine Leistung hinterlassen, die nicht hoch genug gewürdigt werden muss, schließlich haben die Stücke mit ihrer Beteiligung Mitte der 70er Jahre eine neue inhaltliche und ästhetische Form im Kinder- und Jugendtheaterbereich eingeläutet. Dieses Genre wurde plötzlich in der Öffentlichkeit wahrgenommen und begann erfolgreich zu werden. Im Manufaktur-Zelt, das 1979 für 3 Monate auf dem Stuttgarter Karlsplatz stand, spielte das Theater „Rote Grütze“ ihre Produktion „Mensch ich lieb Dich doch“ 12 Vorstellungen. 12 Mal ausverkauft. 12 Mal 850 Schüler und Schülerinnen. Und so war es in der ganzen Bundesrepublik. Freies Theater, Theater für junge Leute, politisch, fortschrittlich, witzig, erfolgreich.
Das hat Helma Fehrmann hinterlassen und dafür wird sie von uns nicht vergessen.
Aber „Lebe geht weiter“, wie es der Fußballphilosoph Dragan Stepanovic so schlicht und richtig formulierte. Innehalten und weitergehen, dieses Paradox begleitet uns tagtäglich.
Neues entsteht. Zum Beispiel am 1. Juli: CHRISTIAN SPUCK choreographiert und inszeniert Poppea//Poppea (siehe S. 16 + 17) mit dem Tanzensemble des Hauses, GAUTHIER DANCE. 4 Tänzerinnen und 4 Tänzer plus ERIC GAUTHIER werden ein weiteres Kapitel in der Erfolgsgeschichte dieser Company aufschlagen.
Ein Muss für alle Tanzinteressierten und für alle, die unser Tanzensemble kennen lernen wollen. Voller Vorfreude kann ich Ihnen diese Produktion wärmstens empfehlen.
Eine zweite Premiere, dieses Mal von der Schauspielabteilung des Theaterhauses, wird am 25. Juli stattfinden. Der Erfolgsroman „Scherbenpark “ von Alina Bronsky, für die Bühne eingerichtet von Thomas Richhardt.
(siehe S. 8 + 9) Die wunderbare LARISSA IWLEWA wird diese Uraufführung präsentieren und Ihnen eine Geschichte erzählen, die voller Lebensfreude steckt. Vor der Suchtgefahr wird ausdrücklich nicht gewarnt.
Und dann möchte ich Sie noch auf die Seiten 30 bis 33 aufmerksam machen. Da ist unser Sommerprogramm aufgeführt. Zu Ihrer Freude und Information. Auch im August brauchen Sie Theaterhausluft. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Rezeptfrei und pudelwohl grüßt herzlich,
Ihr Werner Schretzmeier













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