17.05.2010

Vorwort Juni 10

Liebes Publikum
Auch im Fußballmonat Juni bieten wir Ihnen glänzende künstlerische Alternativen. Aber auch eine kulturelle Einstimmung in das Ballsportereignis in Südafrika: Ernst Konarek, in seinen jungen Jahren ein gefürchteter Torjäger in Österreich, mit einem ihm angemessenen Abend „Früher waren mehr Tore“, die ultimative Lesung zur Fußball-WM. Nach Konareks Leseprogramm wissen Sie definitiv mehr über dieses weltweit verbreitete Phänomen.
Konareks Blick auf und in den Fußball, lässt selbst den härtesten Gegner dieser Sportart ins Grübeln kommen. Soll ich doch mal einen Blick auf dieses Geschehen werfen? Einfach mal ein kleines Getränk im Hof des Theaterhauses bestellen und ganz zufällig auf die Großbildfläche schauen (wir haben während der WM eine solche, man nennt es Public-Viewing) und nebenbei die Reaktionen der Fußballfans studieren, so dass man immer noch sagen kann, ich war nur wegen Studienzwecken dabei. Hin oder Her, es gibt eine weitere Vertiefung zu diesem Ereignis: Die TH-Schauspielproduktion „Schiedsrichter Fertig“, seit einem Jahr im Schauspielrepertoire und in dieser Zeit zu einer Attraktion geworden.
Nun zu den Alternativen: Am WM-Eröffnungstag mit dem Stuttgarter Onnenchor, „Virginia Woolf“ und Ernst Konarek, dieses mal mit seinem großartigen Theatersolo „Die Judenbank“. Wenn Sie noch keine Gelegenheit hatten, den Dokumentarfilm „Lisette und ihre Kinder“ anzusehen, noch einmal wird er gezeigt, am 15.6., mit anschließendem Gespräch zwischen der Regisseurin Sigrid Klausmann und der Hauptdarstellerin Lisette. Ein anrührendes, anregendes, äußerst informatives Dokument. Und einen Tag später kommen die Musikliebhaber voll auf ihre Kosten: Anlässlich seines 1. Todestages gibt es den „Tribute to Charlie Mariano“. Dieser legendäre Musiker, der so fest mit der Geschichte des Theaterhauses verbunden ist, der so viele wunderbare Konzerte im Theaterhaus spielte, der so unverwechselbare Töne in der Jazzwelt zurückließ, wird von fünf ihm sehr nahe stehenden Musikern gewürdigt. Philip Catherine und Jasper van’t Hof, die mit ihm die unvergessliche Gruppe „Pork Pie“ bildeten, oder Dieter Ilg, der mit Charlie Mariano ein großartiges und sehr erfolgreiches Duo bildete. Am 16. Juni 2009 ist Charlie Mariano gestorben, am 16. Juni 2010 wollen wir ihn in Erinnerung rufen. Am 19.6. findet die 100. Vorstellung unserer Schauspielproduktion „Die Grönholm-Methode“ statt. Eine Erfolgsgeschichte, meisterlich inszeniert von Klaus Hemmerle, ebenso meisterlich gespielt vom TH-Schauspielensemble Und es heißt von einer Schauspielproduktion Abschied nehmen: „Du bist meine Mutter“ von Joop Admiraal, diesem großartigen niederländischen Schauspieler, Autor und Regisseur, gespielt vom exzellenten Menschendarsteller Stephan Moos, seit zwei Jahrzehnten Mitglied unseres Schauspielensembles. Eine wunderbare Ausstattung und eine ebensolche Regie, runden diese Theaterproduktion ab. Am 15.6.2004 feierte „Du bist meine Mutter“ Premiere, am 23.6.2010, 6 Jahre, bzw. 125 Vorstellungen später sagen wir auf niederländisch „vaarwel“, also „Tschüss“.
Und wenn wir schon bei den Niederlanden sind, am 6. Mai hat uns der niederländische Botschafter Marnix Krop besucht. Nach einem ausführlichen Rundgang durchs Haus zeigte sich der Botschafter äußerst erstaunt über die Tatsache, dass das Haus bei einem städtischen Subventionsanteil von gerade mal 18% trotzdem so erfolgreich arbeiten kann, da ja auch zwei Ensembles (Schauspiel und Tanz) zu unterhalten sind. „Um Himmels Willen, wie machen Sie das?“ war seine Frage. Wir haben ihn aufgeklärt.
Abschließend ein Hinweis auf den 1. Juli 2010. Christian Spuck, designierter Ballettdirektor am Opernhaus Zürich, wird nach „Don Q.“ eine weitere abendfüllende Choreographie fürs Theaterhaus produzieren. Mit Eric Gauthier und der Tanzcompany wird Spucks neueste Tanzkreation Poppea//Poppea am 1.7. seine Welturaufführung feiern.
Und am 8. Juli wird eine neue Schauspielproduktion Premiere haben:
„Scherbenpark“ von Alina Bronsky. Die Theaterfassung dieses literarischen Romanerfolges stammt aus der Feder von Thomas Richhardt. Als Hauptdarstellerin wird die großartige Larissa Iwlewa zu sehen sein.
Übrigens – die Autorin Alina Bronsky wird am 22.6. im Literaturhaus Stuttgart mit „Scherbenpark“ zu hören sein.
Die Alternativen sind reichlich. Greifen Sie zu. Wir freuen uns auf Sie, liebes Publikum.
Herzlichst Ihr Werner Schretzmeier

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