19.04.2010

Schretzmeiers Vorwort: Mai 2010

Liebes Publikum
Die Titelseite dieses Heftes: Ein politisches und ein menschliches Symbol.
©DoroTuch
Jung trägt alt, der Sohn seinen Vater, als Last, als Dank, als Zwang oder aus purer Freude? Viele wunderbare Fragezeichen, die entschlüsselt werden, um neue, verdrängte Fragen entstehen zu lassen. Ein äußerst anregender Vorgang den Sie, liebes Publikum, vom 6. bis 8. Mai mitverfolgen können, sich als Teil dieses interessanten theatralischen Ereignisses verstehen können, verstehen sollten. Ich kann diese 3 Vorstellungen wirklich allen unseren Besucherinnen und Besucher wärmstens ans Herz legen. Selten habe ich ein derart stimmiges Theaterereignis erlebt, kurzweilig, authentisch, raffiniert, anrührend und auf beste Art und Weise äußerst einfach erzählt.
Und mittendrin unser Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Joachim Bark (auf der Titelseite von seinem Sohn Sebastian getragen). Seit 1992 steht Joachim Bark an der Spitze des Trägervereins Theaterhaus Stuttgart e.V. und hat viel dazu beigetragen, dass die 25-jährige Geschichte des Theaterhauses eine wahrhafte Erfolgsgeschichte wurde. Jetzt hat es ihn auf die Bühne verschlagen und wir registrieren erstaunt: Es macht ihm große Freude, man spürt es als Betrachter, er verfügt über ein darstellerisches Gespür (seine beiden Mit-Väter stehen ihm an nichts nach), diese 3 „Laiendarsteller“ fordern die Profis von She She Pop, eine der erfolgreichsten deutschen Theater-Performance-Gruppen der letzten Jahre, deutlich heraus und stellen mit ihrer natürlichen Präsenz dieses nachhaltige Gefühl her außergewöhnliche eineinhalb Stunden erlebt zu haben.
Die „Frankfurter Rundschau“ schrieb am 27. Februar: „Was hat man nicht schon für Quatsch gesehen zum Thema Generation, gerade im Theater… Nun zeigt die Gruppe She She Pop, wie man auch herz- und schmerzhaft zupacken kann. Man kann zum Beispiel nachfragen, nachlesen, neugierig sein. Radikaler als mit der eigenen Familie geht das nicht: Die Frauen und der eine Mann von She She Pop haben ihre Väter zur Probe gebeten, mit ihnen Shakespeares „König Lear “ gelesen und dann einen Abend entwickelt. Man spricht über die Liebe und das Unverständnis und die Abhängigkeit, man stellt die wichtigen Fragen sehr direkt, um sie dann wach in offene Kunst zu überführen!“ Das „Hamburger Abendblatt“ kommt am 9. März dieses Jahres zur Feststellung:
„She She Pop gelingt mit „Testament“ ein großer Wurf!“ Diese 3 Vorstellungen von She She Pop sind der Abschluss einer theatralischen Performancereihe namens „ONE TWO THREE“ (Siehe S. 26/27). ONE beginnt am 3.5. mit „Contain – Leben in 33m3“. Die viel versprechende Stuttgarter Künstlergruppe zenit&nadir präsentiert mit Hilfe von Bewegung, Fotografie, Geräuschen, Musik, Poesie, Sprache, Text und Video eine Episode aus der Geschichte des Theaterhauses. Ein interessanter, vielschichtiger und eng mit dem Theaterhaus verbundener Abend erwartet uns. Die Reihe wird am 5. Mai  (siehe Seite 25) mit der Performancekünstlerin Ragani Haas fortgesetzt.
TWO trägt den Titel „Tä-ter-ää – Hilfestellung für Dilettanten“ und führt uns vor, wie sich einer aufführt – auch wenn er es nicht gelernt hat. Ragani Haas war Schülerin von Joan Jones, eine der großen Stars der internationalen Perfomance-Szene. Jones lehrte von 1995 bis 2000 an der Staatl. Akademie für Bildende Künste Stuttgart. Ihre Arbeit beeinflussten Richard Serra, Dan Graham, aber auch Laurie Anderson. Jones’ Projekte und Experimente schufen die Grundlage des Genres „Video-Performance“. Sie war auf der Documenta 1977, 1982 und 1987 mit Werken vertreten und lebt und arbeitet in New York.
Ragani Haas gehört zum Kreis der Künstler die von Joan Jones weltweit bei ihren Darbietungen beschäftigt werden. Wir dürfen mit Recht sehr gespannt sein, was die in Stuttgart lebende Ragani Haas aus ihrem reichhaltigen Gestaltungsarsenal präsentieren wird.
Liebes Publikum, vor einigen Tagen hat mich eine Besucherin angesprochen, wie sie dem Theaterhaus ein Geburtstagsgeschenk machen könne? Natürlich sind die häufigen Besuche schon ein tolles Geschenk, aber wenn Sie trotzdem was besonderes machen wollen, werden Sie Mitglied in einem der beiden Theaterhaus-Vereine, so meine Antwort. Sie wurde nun Mitglied im TH-Förderverein, hätte aber auch den Trägerverein mit ihrer Mitgliedschaft beglücken können. Eine bemerkenswerte Entscheidung, hilft diese doch äußerst langfristig. Darüber hinaus wird die Theaterhaus-Familie um eine Person unabhängiger, überlebensfähiger! Großartig! Zum Nachmachen unbedingt empfohlen, sagt nicht nur der amtliche „Warentest“, sagen auch alle, die schon vor Jahren diesen Schritt getan haben. Mehr darüber im Heft oder über die e-mail-Adresse: tom.schoessler@theaterhaus.com.
Sie können es sich noch überlegen, am 28.3.2011 endet das Geburtstagsjahr.
Wir warten gerne auf Sie.
Herzlichst Ihr Werner Schretzmeier

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