15.03.2010
Schretzmeiers Vorwort: April 2010
Liebes Publikum
Der erste Monat im Jubiläumsjahr beginnt mit den Internationalen-Theaterhaus-Jazztagen, die seit 1985 bestehen. Begann damals das erste Theaterhaus-Jazzfestival am 6.4., also sieben Tage nach Eröffnung des 1. Theaterhauses in Stuttgart-Wangen, sind wir 25 Jahre später nur noch
3 Tage vom Jubiläumstag, dem 29.3., entfernt. Das Festival hat sich in dieser Zeit zu einem der wichtigsten in Deutschland entwickelt und war von Beginn an auch immer Impulsgeber für die nationale und internationale Jazzszene. Bereits in den ersten Jahren war es für uns Verpflichtung speziell die nationalen Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker zu präsentieren, als Gegenentwurf für die damalige Ansicht, dass ein wichtiges Jazzfestival überwiegend bis komplett mit amerikanischen Musikern besetzt sein muss.
Europäische Musiker waren fast schon die Ausnahme, deutsche Musiker mussten sich immer hinten anstellen. Ein interessanter Mix, quantitativ und qualitativ, wurde noch nicht gewagt. Anders bei den Theaterhaus-Jazztagen.
Die Nachwuchsförderung wurde ab 1986 konsequent Jahr für Jahr ausgebaut.
Davon profitierte sehr stark die lokale Jazzszene. 2010, bei der 24. Auflage des Festivals ist dieser Programmstrang mit einer zusätzlichen Idee ausgestattet: Unser Plan ist zukünftig 4 bis 5 Nachwuchsmusikerinnen bzw. -musiker jährlich einen Festivalauftritt einzuräumen, so dass jeder und jede Musikinteressierte künstlerische Entwicklungen Schritt für Schritt mitverfolgen kann. Quasi eine Live-Dokumentation über künstlerische Werdegänge. ANNE CZICHOWSKY, OLIVIA TRUMMER, KATI BRIEN, BARBARA BÜRKLE und AXEL KÜHN sind die Hauptdarsteller dieser Dokumentation. Vier junge, verheißungsvolle Musikerinnen und ein Musiker am Beginn ihrer Karriere. Wo stehen sie künstlerisch im nächsten Jahr? Wir sind sicher, dass dies ein spannendes Unternehmen werden kann. Und weil ich vorhin die frühere Praxis von Festivalangeboten kritisiert habe, eine Klarstellung: Amerikanische Musiker sind nach wie vor von großer Bedeutung und teilweise stilprägend und gehören zum Angebot eines jeden guten Festivals. Die bisherigen vierundzwanzig Oster-Festivals und die 5 Jazzgipfel, die wir zwischen 1988 und 1992 veranstaltet haben, sind deutliche Belege dieser Tatsache. Ob es 1988 Miles Davis war, oder 1986 Gerry Mulligan oder Dizzy Gillespie. Ob Bobby McFerrin oder Dave Brubeck, Herbie Hancock, Dee Dee Bridgewater, Stan Getz, die Marsalis-Brothers, Chet Baker, alle, außer Sonny Rollins, haben ihre Töne dem Theaterhaus geschenkt, uns reicher gemacht. So soll es auch dieses Jahr sein. Wir präsentieren im Jubiläumsjahr eine ganze Reihe von Jubilaren (KARL BERGER, HERBERT JOOS, ACK VAN ROOYEN) und weitere erstklassige Interpreten wie das MOSCOW ART TRIO oder das RADIO.STRING.QUARTET.VIENNA. Wir freuen uns auf einen der seltenen Auftritte des WOLFGANG DAUNER TRIOS und empfehlen außerdem das Quartet von NGUYEN LÊ, den großartigen JOACHIM KÜHN mit seinen marokkanischen Musikern und sollte es um eine wortwörtliche Festival-Entdeckung gehen: Die vier jungen Engländer, die sich PORTICO QUARTET nennen, dürften dafür geradezu geschaffen sein. Und als Festival-Abschluss keine geringere als JULIETTE GRÉCO. Das sind doch richtig interessante Jazztage, überzeugen Sie sich.
Zwei Tage später, ab dem 7.4., sind dann die einmaligen Tänzerinnen der Schweizer Tanzcompagnie „FLAMENCOS EN ROUTE“ für 5 Vorstellungen unsere Gäste. Diese Compagnie zählt zu unseren langjährigsten Partnern, denn seit
1991 zeigt „Flamencos en route“ im Theaterhaus seine neuesten Kreationen.
Wie das Theaterhaus, so feiert die Compagnie 2010 ihr 25-jähriges Bestehen und stellt mit „florescencia“ ihre Jubiläumsproduktion vor. „Flamencos en route“ ist großartige Flamenco-Tanzkunst, weit über die touristischen Aspekte dieses Genres hinaus, eine tänzerische und musikalische Seltenheit, die zu veranstalten uns mit Freude erfüllt. Auch zu Ihrer Freude, liebes Publikum!
In diesem Sinne, herzlichst Ihr Werner Schretzmeier












