15.12.2009

Vorwort Januar

Liebes Publikum,

Das neue Jahr beginnt mit einer Erinnerung. Am 1.1.2000, vor 10 Jahren, gedachten wir in der Stuttgarter Staatsoper unserem Freund, Förderer und ehrenamtlichem Theaterhaus-Geschäftsführer Hans Peter Doll, der am 27.12.1999 verstarb. In unserem Nachruf schrieben wir: „Ohne sein Wissen und seine Tat wären wir nicht das, was wir heute sind.“ Er war eine der wichtigsten Persönlichkeiten des deutschsprachigen Theaters. Allein seine Verdienste um das Stuttgarter Theaterleben sind legendär. Als Generalintendant verantwortete er die Ära um Claus Peymann und John Cranko.
Wir gedenken außerdem unserem ebenfalls vor 10 Jahren verstorbenen Kollegen Klaus B. Harms, in früheren Tagen Feuilleton-Chef der „Stuttgarter Nachrichten“, der mit seiner Veranstaltungsreihe „Küchengespräche“ einen der Höhepunkte in der Programmgeschichte des Theaterhauses fabrizierte. Im März-Programmheft des Jahres 2000 schrieb ich: „Peter Doll und Klaus B. Harms werden uns noch lange begleiten, sie haben das Innenleben des Theaterhausbetriebs noch stärker gemacht, sie haben uns durch ihre handwerkliche Kunst und ihre große Menschlichkeit Werte an die Hand gegeben, die wir nun untereinander und zum Nutzen unseres Publikums weiterentwickeln werden. Dieses Vermächtnis gibt uns so viel Energie, Fantasie und Mut, dass uns vor den kommenden sehr arbeitsreichen Ereignissen nicht bange wird. Die Erinnerung an unsere beiden verstorbenen Kollegen wird uns Flügel verleihen.“ Und sie sind uns gewachsen. Die ersten 7 Jahre im neuen Theaterhaus haben dies bewiesen. Und Sie, liebes Publikum, sind mitgeflogen. Wiederum 300 000 im Jahr 2009. Nach 2007 und 2008 das dritte Jahr auf diesem Besucherlevel. 

Warum das so ist und noch viel mehr, darüber gibt nun ein Gutachten Auskunft, das wir 2008 in Auftrag gaben und das jetzt vorliegt. Das Institut für Kulturmanagement Ludwigsburg, fertigte dieses Gutachten. Unter der Federführung von Prof. Dr. Thomas Knubben und Dr. Petra Schneidewind entstand das „Gutachten zur kultur- und kreativwirtschaftlichen Positionierung des Theaterhauses Stuttgart“. Aus 3 Teilen besteht es.

Teil 1: Das Theaterhaus als Wirtschaftsfaktor, Teil 2: Besucherbefragung und -analyse, Teil 3: Konzeption und Umsetzung eines Management-Informationssystems zur zielorientierten Steuerung des Theaterhauses.

Einige wenige Details aus dem Gutachten lassen deutlich erkennen, dass die Resultate viel Wissenswertes zu Tage gefördert haben. Allein die Tatsache im 1. Teil, dass das Theaterhaus bei vorsichtiger Schätzung 247 Vollzeit-Arbeitsplätze generiert, ist hochinteressant. Dasselbe gilt, dass den Zuschüssen von Stadt und Land in Höhe von 1,74 Millionen Euro, ein Rückfluss über Steuern und Sozialabgaben, von vorsichtig ermittelten 3 Millionen Euro gegenüber steht. Das was wir schon einige Zeit vermuteten, trifft tatsächlich zu: Das Theaterhaus zahlt den von Stadt und Land gewährten Investitionsbetrag (auch Subvention genannt) doppelt an die öffentlichen Kassen zurück!
Der Teil 2 ergibt unter anderem, dass 59% unseres Publikums weiblich ist und 41% männlich. Dass 71% unseres Publikums zwischen 30 und 64 Jahren ist, dass 62% Abitur haben, dass insgesamt 88% aus der gesamten Stuttgarter Region kommen. Das Programmangebot wird von 87% des Publikums als gut bis sehr gut bewertet, 91% halten die Preispolitik für angemessen oder gar günstig, 88% erachten das Personal als freundlich bis sehr freundlich und 86% schätzen die Atmosphäre im Haus als gut bis sehr gut ein.
Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Leistungsbewertung von Programm und Management außerordentlich hohe Zufriedenheitswerte erzielt. Das Publikum nimmt das Theaterhaus als ein innovatives, für alle offenes und auch von allen genutztes Haus mit vielfältigem Angebot und einer leicht intellektuell-alternativen Prägung wahr. Die Schlüsselbegriffe für Sie, liebes Publikum scheinen Vielfalt und Offenheit zu sein. Dafür wollen wir auch in diesem neuen Jahr stehen. Ihre Wertschätzung ist Auftrag genug keine Nachlässigkeit zuzulassen.
Wir freuen uns auf Ihre Besuche im Jubiläumsjahr. Am 29.3.2010 wird das Theaterhaus 25 Jahre bestehen. Diesen Tag sollten Sie sich schon mal vormerken.
Herzlichst, Ihr Werner Schretzmeier

P.S.: Die ausführlichen Ergebnisse des Gutachtens sind in einer Broschüre zusammengefasst. Diese können Sie, gegen eine Gebühr von 3 Euro, bei uns bestellen.

Ein Kommentar auf “Vorwort Januar”

  • Theaterhaus Blog » Theaterhaus und Kreativwirtschaft

    [...] Mut zu machen, sich solchen Untersuchungen zu öffnen, Ausdruck verliehen, indem er in seinem Januar-Vorwort angeboten hat, die Zusammenfassung des Gutachtens (gegen eine minimale Schutzgebühr) jedem [...]

    21.01.2010 » 19:36 »

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